Das Wort Katechumen kommt in der Bibel nicht vor, wurde aber im 2. Jahrhundert im frühen Christentum eingeführt.

Mit dem griechischen Wort katēchoumenos (κατηχούμενος, wörtlich „der gerade Unterwiesen-werdende“) bezeichneten die griechischsprachigen frühen Christen jeden, der sich aktiv und freiwillig beworben hatte, getauft zu werden. Im 3. Jahrhundert transkribierte Tertullian diesen Begriff ins Lateinische mit catechumenus. Daraus wurde im Deutschen der Katechumen für den Mann und die Katechumenin für die Frau abgeleitet. Der Plural ist Katechumenen.

Der griechische Begriff taucht bei den frühen Christen wie schon erwähnt ab dem zweiten Jahrhundert auf. Heute würde man Taufbewerber oder Täufling sagen. Es steckt aber hinter dem Wort mehr als nur ein Taufwunsch, nämlich eine radikale Lebensänderung, begleitet von einer ausführlichen Taufvorbereitung und Aufnahmeprozedur. Der Katechumen (und natürlich auch die Katechumin) wurde in den Grundlagen des Glaubens, der Heiligung, der Gemeindeordnung und der Gemeindezucht unterwiesen und von der ganzen Gemeinde begleitet und beobachtet. Katechumenen mussten in Wort und Tat beweisen, dass sie dem Teufel und seinen Dämonen sowie der Welt und ihrem Prunk absagt haben und sich für immer unter die Herrschaft Christi stellen werden. Je gewissenhafter eine Gemeinde das handhabte, desto länger dauerte diese Zeit, von ein paar Monaten bis hin zu Jahren. Das hing natürlich auch individuell von den Katechumenen ab, ob sie schon bereit waren zur Taufe oder nicht. Erst mit ihrer Taufe wurden sie in den Leib Christi aufgenommen und fortan als Christen angesehen, als Brüder und Schwestern. Davor waren sie nur Katechumenen und wurden auch anders behandelt (siehe weiter unten). Daher die eigene Bezeichnung.

Davor, im 1. Jahrhundert, wurde ein anderes Wort von den Aposteln verwendet, nämlich baptizomenos (βαπτιζόμενος), das wörtlich übersetzt soviel heißt wie „der zu Taufende“. Auch da gab es bereits eine Taufvorbereitung. Die älteste, schriftlich bis heute erhaltene ist die Didache, die „Apostellehre“, die im ersten Jahrhundert geschrieben wurde und nicht nur die älteste Kirchenordnung des Christentums darstellt, sondern auch für die zu Taufenden als Vorbereitungskurs diente. Die BKV übersetzt baptizomenos in der Didache mit „Täufling“. Hier ein Ausschnitt daraus:

Vor der Taufe soll fasten der Taufende, der Täufling und wer sonst kann; den Täufling lasse ein oder zwei Tage zuvor fasten.

Didache Doctrina XII apostolorum (Didache)  Didache - Lehre der zwölf Apostel (BKV), 7,4.

Im ersten Jahrhundert beschränkte sich die Taufvorbereitung der Täuflinge (baptizomenos) offenbar auf die Verinnerlichung der Kirchenordnung und die glaubhaft gemachte Buße, während ab dem zweiten Jahrhundert der Schwerpunkt immer mehr auf die Unterweisung und Prüfung der Taufbewerber (katēchoumenos) gelegt wurde. Dass Täuflinge vor ihrer Taufe beweisen müssen, dass sie überhaupt der Taufe würdig sind, hat von Anfang an Johannes der Täufer vorgemacht:

Er sprach nun zu der Volksmenge, die hinausging, um sich von ihm taufen zu lassen: Schlangenbrut! Wer hat euch unterwiesen, dem kommenden Zorn zu entfliehen? So bringt nun Früchte, die der Buße würdig sind! Und fangt nicht an, bei euch selbst zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater! Denn ich sage euch: Gott vermag dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken. Es ist aber auch schon die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt. Jeder Baum nun, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen! Da fragte ihn die Menge und sprach: Was sollen wir denn tun? Und er antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Hemden hat, gebe dem, der keines hat; und wer Speise hat, der mache es ebenso! Es kamen auch Zöllner, um sich taufen zu lassen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen wir tun? Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als was euch vorgeschrieben ist! Es fragten ihn aber auch Kriegsleute und sprachen: Und was sollen wir tun? Und er sprach zu ihnen: Misshandelt niemand, erhebt keine falsche Anklage und seid zufrieden mit eurem Sold! (Lk 3,7-14)

Das ist die erste dokumentierte Taufprüfung und -unterweisung und sie steht im Neuen Testament in den Evangelien. Lukas hat die ausführlichste Version davon, aber auch Matthäus und Markus überliefern uns diese. Und die Apostel übernahmen diese Prüfung der Täuflinge. Paulus etwa berichtet, dass er wörtlich dieselben Kriterien forderte:

Daher, König Agrippa, bin ich der himmlischen Erscheinung nicht ungehorsam gewesen, sondern ich verkündigte zuerst denen in Damaskus und in Jerusalem und dann im ganzen Gebiet von Judäa und auch den Heiden, sie sollten Buße tun und sich zu Gott bekehren, indem sie Werke tun, die der Buße würdig sind. (Apg 26,19-20)

Ab dem zweiten Jahrhundert erfolgten immer ausführlichere Unterweisungen und Praktiken. Hippolytus von Rom formulierte gemeinsam mit den Ältesten in Rom unter anderem jene Anweisung:

Die Katechumenen sollen im Unterrichte nur hören, was sich auf den Glauben bezieht, und nur diese erhabene Lehre (nichts Weltliches). Der Katechumene halte seine nächsten Verwandten von sich fern und ertrage alle Unbequemlichkeiten, die der Religion wegen über ihn kommen. Er nehme sein Kreuz auf sich und folge dem Erlöser nach und sei bereit, wegen des Bekenntnisses Christi den Tod zu erdulden. Denn es gibt keinen Ausweg, daß der Mensch, welcher nach Vollkommenheit strebt, nicht versucht werde, wie unser Herr durch folgende drei Versuchungen versucht worden ist, nämlich durch Begierlichkeit, Stolz und Habsucht.

Hippolytus von Rom Canones Hippolyti (BKV), 30. Canon. Über die Katechumenen und einiges Andere, was sich auf sie bezieht.

Ein anderer Bischof, nämlich von Jerusalem, richtete folgende ermahnenden Worte an die Katechumenen:

Erwäge, welch’ hohe Würde dir Jesus verleiht! Bisher wurdest du Katechumen (wörtlich: einer, an den ein belehrendes Wort gerichtet wird) genannt, erst ins Ohr drang das belehrende Wort1. Wohl hörtest du von Hoffnung, verstandest sie aber nicht. Du hörtest von den Geheimnissen, ohne sie zu erfassen; hörtest die Schrift, ohne in ihre Tiefe einzudringen. Nun dringt das Wort nicht mehr ins Ohr, sondern in die Seele. Denn der Geist wohnt in Zukunft in dir und macht deine Seele zu einer göttlichen Wohnung. Wenn du dann das hörst, was über die Geheimnisse geschrieben ist, wirst du erfassen, was du nicht verstanden hast. Glaube nicht, daß das, was du empfängst, etwas Geringfügiges ist! Du, ein armseliger Mensch, empfängst den Namen Gottes. Höre das Wort Pauli „Gott ist getreu!“ Höre das andere Wort der Schrift: „Gott ist getreu und gerecht“! Mit Rücksicht darauf, daß die Menschen den Namen Gottes erhalten sollen, hat der Psalmist im Namen Gottes gesagt: „Ich sprach: Götter seid ihr und Söhne des Höchsten alle“. Sieh aber zu, daß du nicht den Namen eines Gläubigen und die Gesinnung eines Ungläubigen hast! Du hast dich auf den Kampfplatz begeben, strenge dich an im Wettlauf! Solche Gelegenheit kommt dir nicht wieder. Wenn du bald Hochzeit hättest, würdest du nicht alles liegen und stehen lassen, um das Mahl vorzubereiten? Wenn du aber daran bist, die Seele dem himmlischen Bräutigam zu weihen, willst du nicht, um geistige Gaben zu empfangen, das Irdische beiseite lassen?

Cyrill von Jerusalem (313-387) Procatechesis et Catecheses ad illuminandos Katechesen an die Täuflinge (BKV) EINLEITENDE KATECHESE, 6.

Darüber, wie die Gemeinden sich bewusst waren, dass sie Stütze und Vorbild gerade auch für die Katechumenen in ihrer Mitte sind, gibt dieser frühchristliche Text Zeugnis. Es geht darum, wie während der Verfolgung und sogar des Martyriums (der öffentlichen Folter und Hinrichtung) sich Christen verhalten sollen, gerade auch im Hinblick auf die Katechumenen:

Wenn wir aber zum Martyrium berufen werden, so müssen wir mit Standhaftigkeit den ehrenvollen Namen bekennen; und wenn wir deßwegen zum Tode verurtheilt würden, so lasset uns frohlocken und den Weg zur Unsterblichkeit eilig zurücklegen. Wenn wir Verfolgung leiden, so dürfen wir nicht bestürzt uns geberden. Lieben wir ja nicht das gegenwärtige Leben, haschen wir nicht nach Ehre bei den Menschen, noch nach Ruhm und Ansehen bei Angesehenen, wie einige Juden, welche die Thaten des Herrn bewunderten, aber nicht an ihn glaubten aus Furcht vor den Hohepriestern und Obersten: „denn sie liebten die Ehre der Menschen mehr als die Ehre Gottes.“ Wenn wir aber ein gutes Bekenntnis ablegen, so retten wir nicht nur uns selbst, sondern befestigen auch die Neophyten und die Katechumenen im Glauben.

Kirchenordnungen  Constitutiones Apostolorum  Apostolische Konstitutionen und Kanones, Fünftes Buch: Von den Martyrern. 6. 

Die Katechumenen durften nicht an allen Gemeinschaften teilnehmen. Sie wurden vor der Eucharistiefeier, vor der Kommunion, gesegnet und aus dem Gottesdienst entlassen mit den feierlichen Worten: 

Empfehlt euch selbst dem allein ungezeugten Gott durch den Christus. (Ἑαυτοὺς τῷ μόνῷ ἀγεννήτῳ θεῷ διὰ τοῦ χριστοῦ παράθεσθε)

Diese Abschiedsrituale, Segnungen und Unterweisungen der Katechumenen waren aber nicht standardisiert, sondern praktizierte jede Versammlung wie sie es für richtig hielt. Es gab keine Formeln und Dogmen dazu in der frühen Kirche. Später wurden die historisch gewachsenen Traditionen gesammelt und schriftlich in Kirchenordnungen, den sogenannten Kanones, festgehalten. Hier ein solcher Wortlaut:

Erhebet euch, Katechumenen! Bittet um den Frieden Gottes durch seinen Christus, um ruhige Tage und Schuldlosigkeit während der ganzen Zeit eures Lebens, um ein christliches Ende und Gottes Barmherzigkeit, Gnade und Nachlassung der Vergehen. Schenket euch selbst dem einzigen, ungezeugten Gott durch seinen Christus. Neiget euch und empfanget den Segen! 

Kirchenordnungen Constitutiones Apostolorum  Apostolische Konstitutionen und Kanones Achtes Buch, 6. Die göttliche Liturgie, in welcher das Gebet für die Katechumenen stattfindet.

Irrlehrer und häretische Gemeinden erkannte man daran, dass sie auffallend anders mit dem Thema umgingen wie Tertullian berichtet:

Ich will nicht unterlassen, auch von dem Wandel der Häretiker eine Schilderung zu entwerfen, wie locker, wie irdisch, wie niedrig menschlich er sei, ohne Würde, ohne Autorität, ohne Kirchenzucht, so ganz ihrem Glauben entsprechend. Vorerst weiß man nicht, wer Katechumen, wer Gläubiger ist, sie treten miteinander ein, sie hören miteinander zu, sie beten miteinander; auch wenn Heiden dazu kommen, werfen sie Heiliges den Hunden und Perlen, wenn auch unechte, den Säuen hin. Das Preisgeben der Kirchenzucht wollen sie für Einfachheit gehalten wissen, und unsere Sorge für dieselbe nennen sie Scharwenzelei. Was den Kirchenfrieden angeht, so halten sie ihn unterschiedslos mit allen. Es ist in der Tat auch zwischen ihnen, obwohl sie abweichende Lehren haben, kein Unterschied, wenn sie nur zur gemeinschaftlichen Bekämpfung der einen Wahrheit zusammenhalten. Alle sind aufgeblasen, alle versprechen Erkenntnis. Die Katechumenen sind schon Vollendete, ehe sie noch Unterricht erhalten haben. Und selbst die häretischen Weiber, wie frech und anmaßend sind sie! Sie unterstehen sich, zu lehren, zu disputieren, Exorzismen vorzunehmen, Heilungen zu versprechen, vielleicht auch noch zu taufen. Die Ordinationen der Häretiker sind aufs Geratewohl leichtfertig und ohne Bestand. Bald stellen sie Neophyten an, bald an die Welt gefesselte Männer, bald unsere Apostaten, um die Leute durch die Ehre an sich zu ketten, da sie es durch Wahrheit nicht vermögen. Nirgends gibt es leichtere Beförderung als im Lager der Rebellen, wo bloß sich aufzuhalten schon als Verdienst gilt.

Tertullian De praescriptione haereticorum Die Prozeßeinreden gegen die Häretiker (BKV), 41. Kap.

Häretiker tauften also jeden ohne Unterschied und ohne vorausgehende Prüfung oder Unterweisung. Das gipfelte später in der Zwangstaufe von Säuglingen gegen ihren Willen und natürlich ohne Unterweisung, ohne Buße, ohne Prüfung, ohne Fasten.

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      Das Wort „Kaiser“ kommt im Neuen Testament 29-mal vor und ist daher biblisch.

    • Katechumen

      Das Wort Katechumen kommt in der Bibel nicht vor, wurde aber im 2. Jahrhundert im frühen Christentum eingeführt.

    • KJV

      Abkürzung für King James Version

    • Konstantinische Wende

      Historisches Ereignis, das im 4.Jahrhundert stattfand und deswegen nicht in der Bibel stehen kann. Es veränderte das Christentum komplett.