Die Septuaginta war die Heilige Schrift der Juden und Christen zur Zeit Jesu und Seiner Apostel.

Septuaginta ist Lateinisch und bedeutet 70. Deswegen ist die traditionelle Abkürzung dafür LXX (Römische Zahl 70). Es ist die Griechische Übersetzung der ursprünglichen Hebräischen Heiligen Schriften. Der Name kommt daher, weil laut der Überlieferung der erste Teil der Übersetzung (der Pentateuch) von siebzig Gelehrten angefertigt wurde und jeder dieser 70 unabhängig und getrennt von den anderen exakt den selben Wortlaut getroffen hatte. Somit war die Übersetzung 70-fach bestätigt. Sie wurde daher von den frühen Christen „die Übersetzung der Siebzig“ genannt, heute in der Wissenschaft kurz „Septuaginta“.

Die Entstehungsgeschichte überliefert ausführlich der Aristeasbrief aus dem 2. Jahrhundert vor Christus. Er wird heute oft als legendenhafte, tendenziöse Erzählung betrachtet, nicht als historischer Bericht. So erzählt er z.B. von 72 Übersetzern. Demgegenüber bezeugen der jüdische Historiker Flavius Josephus (1. Jh n. Chr.), die frühchristlichen Lehrer Irenäus (2. Jh n.Chr., Zitat weiter unten) und Origenes (2. Jh n. Chr., Zitate ebenfalls weiter unten), sowie der Name „Septuaginta“ und dessen Abkürzung „LXX“ übereinstimmend die Zahl 70.

Über die Gründe für die Entstehung der Septuaginta gibt es verschiedene Perspektiven, sowohl historische wie auch geistliche.

Historisch gesehen begann die Übersetzungsarbeit im frühen dritten Jahrhundert vor Christus von jüdischen Gelehrten in Alexandria. Einer der auf der Hand liegenden Beweggründe war die Hellenisierung der Welt - und somit auch von Judäa. Griechisch wurde ab nun die verordnete Weltsprache. Abgesehen davon konnten viele Juden sowieso kaum noch Hebräisch zu jenem Zeitpunkt, denn bevor die Griechen ihr Weltreich errichteten, herrschten die Babylonier, Meder und Perser Jahrhunderte lang über die Juden. Im Exil mussten die Juden die Sprachen ihrer Eroberer und Unterdrücker lernen. Sie verloren langsam aber sicher ihre eigene Muttersprache. Die jungen Leute konnten am Ende nur noch die Sprache ihrer Fremdherrscher. Und somit bestand die Gefahr, dass bald niemand mehr die Heiligen Schriften lesen konnte außer einem exklusiven Kreis von hebräischen Gelehrten. Das normale jüdische Volk aber, das über die damalige Welt im Exil verstreut war, konnte schon Jahrhunderte vor Christus kaum noch Hebräisch, sondern in erster Linie Griechisch. Das beweisen auch einzelne Bücher der Septuaginta, wie etwa Sophia Sirach (Jesus Sirach) oder die Bücher der Makkabäer, die davon Zeugnis geben, wie eine Übersetzung ins Griechische immer wichtiger wurde. Griechisch wurde auch im jüdischen Gottesdienst üblich, ebenso die Lesungen auf Griechisch. Das zeigen auch die Evangelien und die Apostelgeschichte (siehe z.B. In welcher Sprache las Jesus in der Synagoge von Nazareth?).

Ein weiterer historischer Grund war die Aggression, mit der die Hellenisierung vorangetrieben wurde – besonders unter Antiochus IV. Epiphanes. Wir haben einen jüdischen Bericht davon:

Und alle Bücher des Gesetzes, die sie fanden, zerrissen sie und verbrannten sie im Feuer. Und für jeden, bei dem ein Buch des Bundes gefunden wurde oder der sich nach dem Gesetz richtete, bedeutete die Anordnung des Königs den Tod.

 1. Makkabäer 1,56-57, LXXD

Die hebräischen Originalrollen aus dem Tempel wurden auf diese Weise verbrannt und die meisten hebräischen Abschriften gingen so verloren. Die Juden, die es wagten, „ein Buch des Bundes“ (d.h. eine Schriftrolle der jüdischen Heiligen Schrift) aufzubewahren, wurden mitsamt ihren Schriften vernichtet. Die griechische Übersetzung „der Siebzig“ überlebte dagegen, geschützt durch ihre Sprache und die königliche Bibliothek von Alexandria, für die sie angefertigt worden war.

Geistlich betrachtet ist das in vielerlei Hinsicht spannend. Denn Gott hat Sein Wort zwar bewahrt, aber nicht in der Sprache des alten Bundes, sondern in jener des kommenden neuen Bundes - und zwar bereits Jahrhunderte vorher. Die jüdischen Gelehrten, die noch gut Hebräisch konnten, lobten unisono die Septuaginta, die fortan in den Gottesdiensten verwendet wurde und bis zur Zeit Jesu die einzige vollständige Heilige Schrift der Juden sein sollte. Denn die Hebräischen Heiligen Schriften waren längst zerstört, bis auf wenige Fragmente. Deswegen lag zur Zeit Jesu in allen Synagogen die Septuaginta auf und war die Heilige Schrift der Juden und ab Jesus Christus, der nur aus der Septuaginta vorlas und lehrte, auch „das alte Testament“ der Christen. Die Apostel taten es ihrem Herrn nach und verwendeten auch nur die Septuaginta und ebenso taten es ihre Jünger. Alle frühen Christen lasen und zitierten nur die Septuaginta, wenn es um das Alte Testament ging. Das waren ihre selbstverständlichen und vom Herrn Jesus und dem Heiligen Geist bestätigten und geheiligten Schriften. Sonst keine. Das bezeugen viele Schriftzitate und noch eindrücklicher sogar die Diskussionen ab dem zweiten Jahrhundert, wo allmählich andere Übersetzungen der Septuaginta Konkurrenz machen wollten.

Einer der ersten frühen Christen, die sich genötigt sahen, die Entstehung und Autorität der LXX zu verteidigen, war Irenäus, der große Lehrer des frühen 2. Jahrhunderts, der eine unterbrechungsfreie Überlieferungskette zu den Aposteln hatte. Hier ein brisanter Auszug aus seinem Buch gegen die Häresien:

Gott ist also Mensch geworden, und der Herr selbst wird uns erlösen, indem Er das Zeichen der Jungfrau gibt. Falsch ist daher die Deutung derer, die da wagen, die Schrift so zu erklären: Siehe, ein Mädchen wird im Leibe haben und einen Sohn gebären. So übersetzen es Theodotion aus Ephesus und Aquila aus Pontus, beides jüdische Proselyten; ihnen folgen die Ebioniten, die da sagen, Er sei der natürliche Sohn Josephs. Damit zerstören sie die großartigen Heilspläne Gottes, soviel an ihnen ist, und vernichten das Zeugnis der Propheten, das Gott kundgetan hat. Denn noch vor der babylonischen Gefangenschaft, d. h. bevor noch die Meder und Perser die Herrschaft antraten, wurde es geweissagt und ins Griechische übersetzt von den Juden selbst lange vor den Zeiten der Ankunft des Herrn, sodaß der Verdacht völlig ausgeschlossen ist, die Juden hätten dies so uns zuliebe übersetzt. Hätten sie unsere zukünftige Existenz bloß geahnt und gewußt, daß wir diese Zeugnisse aus den Schriften gebrauchen würden, so hätten sie niemals Bedenken getragen, selbst Ihre Schriften zu verbrennen, die da kundtun, daß auch alle übrigen Völker an dem Leben Anteil haben sollen, und die da zeigen, daß die, welche sich als das Haus Jakobs und das Volk Israel rühmen, von der Gnade Gottes enterbt sind.

Bevor nämlich die Römer sich ihres Reiches bemächtigten, als noch die Mazedonier Asien besaßen, da bat Ptolomäus, der Sohn des Lagus, die Jerusalemitaner, ihre Schriften ins Griechische zu übersetzen, weil er seine in Alexandria angelegte Bibliothek mit den vorzüglichsten Schriftwerken aller Länder auszustatten wünschte. Jene nun, die damals noch den Mazedoniern untertan waren, schickten siebzig Älteste, die in den Schriften besonders bewandert waren und beide Sprachen beherrschten, zu Ptolomäus, damit sie seinem Wunsche willfahrten. Um aber sicher zu gehen, und weil er fürchtete, daß sie vielleicht auf Verabredung die Wahrheiten der Schrift in ihrer Übersetzung verbergen möchten, sonderte er sie voneinander ab und ließ alle dieselbe Schrift übersetzen, und so machte er es mit allen Büchern. Als diese nun vor Ptolomäus zusammen kamen und ihre Übersetzungen verglichen, da sagten alle zum Ruhme Gottes und zur Beglaubigung des göttlichen Charakters der Schriften dasselbe mit denselben Worten und denselben Ausdrücken von Anfang bis zu Ende, sodaß auch die anwesenden Heiden erkannten, daß unter göttlicher Inspiration die Schriften übersetzt waren. Und es ist wahrlich nicht wunderbar, wenn Gott bei ihnen dies gewirkt hat. Hatte Er doch auch nach der siebzigjährigen Gefangenschaft unter Nebukadnezar, als die Juden unter Artaxerxes in ihre Heimat zurückkehrten, da die Schriften verloren gegangen waren, dem Priester Esdras aus dem Stamme Levi eingegeben, daß er sich an alle Reden der früheren Propheten erinnerte und dem Volke das Gesetz wiederherstellte, das durch Moses gegeben war.

So sind also getreu und unter dem Beistand Gottes die Schriften übersetzt, durch die Gott unsern Glauben an Seinen Sohn vorbereitete und erneuerte. So hat Er uns in Ägypten die Schriften unverfälscht bewahrt, wo auch das Haus Jakobs groß wurde, als es vor der Hungersnot in Kanaan floh, und wohin auch unser Herr sich rettete, als Er der Verfolgung des Herodes sich entzog. Diese Übersetzung ihrer Schriften ist angefertigt, bevor unser Herr herabstieg, und bevor die Christen sich zeigten. Denn unser Herr wurde erst um das einundvierzigste Jahr der Regierung des Augustus geboren, und viel älter ist Ptolomäus, unter dem die Schriften übersetzt wurden. Als wahrhaft schamlos und frech offenbaren sich also diejenigen, welche jetzt eine andere Übersetzung anfertigen wollen, wo sie aus den Schriften selbst von uns überführt werden und zum Glauben an die Ankunft des Sohnes Gottes gezwungen werden. Sicher aber und nicht erdichtet und allein wahr ist unser Glaube, der den klaren Beweis aus den Schriften für sich hat, die auf die angegebene Weise übersetzt sind, und die unverfälschte Verkündigung der Kirche. Denn die Apostel, die doch älter sind als jene, stimmen mit der genannten Übersetzung überein, und die Übersetzung mit der Tradition der Apostel. Denn Petrus und Johannes und Matthäus und die übrigen alle samt ihren Schülern verkünden alle Worte der Propheten so, wie es in der Übersetzung der Ältesten enthalten ist.

Es ist also ein und derselbe Geist Gottes, der in den Propheten gesprochen hat, wo und wie der Herr erscheinen werde, und der in den Ältesten gut übersetzt hat, was gut geweissagt war. Derselbe hat auch durch die Apostel verkündet, daß die Fülle der Kindschaftszeiten gekommen und das Reich des Himmels nahe sei und in den Menschen wohne, die an den Emmanuel glauben, der aus der Jungfrau geboren ist. So bezeugen sie selbst, daß bevor noch Joseph mit Maria zusammenkam, die also in ihrer Jungfräulichkeit verblieb, sie als schwanger vom Hl. Geiste erfunden wurde. Und daß der Engel Gabriel ihr sagte: „Der Heilige Geist wird ankommen in dir, und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten, deswegen wird das Heilige, das aus dir geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden“. Und zu Joseph sprach der Engel im Traum: „Dies aber ist geschehen, damit erfüllt würde, was gesagt ist von dem Propheten Isaias: Siehe, die Jungfrau wird im Mutterleibe empfangen“. Die Ältesten haben aber die Worte des Isaias so übersetzt: „Und es fuhr fort der Herr zu sprechen zu Achaz: Verlange dir ein Zeichen von dem Herrn, deinem Gotte, in der Tiefe unten oder in der Höhe oben. Und es sprach Achaz: Nicht werde ich fordern noch versuchen den Herrn, und er sprach: Kein Kleines ist es euch, Beschwerde zu machen den Menschen, und wie macht der Herr Beschwerde? Deswegen wird der Herr selbst euch das Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird im Leibe empfangen und einen Sohn gebären, und ihr werdet seinen Namen Emmanuel nennen. Butter und Honig wird er essen; bevor er erkennt oder erwählt das Böse, wird er das Gute eintauschen, denn bevor das Kind das Böse oder Gute erkennt, wird es dem Bösen nicht zustimmen, um das Gute zu wählen“. Genau also hat durch diese Worte der Heilige Geist Seine Geburt aus der Jungfrau und Seine göttliche Wesenheit bezeichnet. Letzteres bezeichnet nämlich der Name Emmanuel, und Seine menschliche Natur bezeichnen die Worte: „Butter und Honig wird er essen“, und die Benennung als Kind durch diese Worte: „Bevor er das Gute und Böse erkennt.“ Das alles sind Zeichen eines Menschenkindes. Daß Er aber „dem Bösen nicht zustimmen wird, um das Gute zu erwählen“, bezeichnet Seine göttliche Natur. So sollen wir Ihn also nicht als bloßen Menschen betrachten, der Butter und Honig ißt, noch andrerseits in ihm einen Gott ohne Leib vermuten, wie der Name Emmanuel nahe legen könnte.

Indem er ferner sagte: „Höret ihr vom Hause Davids“, zeigte Er an, daß aus einer Jungfrau von dem Geschlechte Davids jener geboren werden sollte, von dem Gott dem David verheißen hatte, daß Er ihm von der Frucht seines Leibes einen ewigen König erwecken werde. Deshalb verhieß Er ihm auch aus der Frucht seines Leibes und nicht aus der Frucht seiner Lenden oder Nieren den König — das erstere bezeichnet die schwangere Jungfrau, das zweite den zeugenden Mann und das empfangende Weib. Es schloß also die Schrift bei dieser Verheißung die Genitalien des Mannes aus und erwähnt sie nicht, da der, welcher geboren werden sollte, nicht aus dem Willen des Mannes war. Mit Nachdruck aber betont sie die Frucht des Leibes, um die Geburt dessen zu verkünden, der aus der Jungfrau geboren werden sollte, wie Elisabeth, vom Heiligen Geiste erfüllt, bezeugt, indem sie zu Maria spricht: „Du bist gebenedeiet unter den Weibern, und gebenedeiet ist die Frucht deines Leibes“. So tat der Heilige Geist allen kund, die hören wollen, daß Seine Verheißung, Er werde aus der Frucht des Leibes den König erwecken, in der Jungfrau erfüllt ist, d.h. in der Geburt Mariens. Die also aus der „Jungfrau“ bei Isaias eine „junge Frau“ machen und Ihn den Sohn Josephs sein lassen, die mögen auch die Verheißung, die bei David geschrieben steht, ändern, wo Gott ihm versprach, Er werde ihm aus der Frucht seines Leibes ein Hörn erwecken, d. h. das Reich Christi. Aber sie haben die Stelle nicht verstanden, sonst hätten sie auch versucht, diese abzuändern.

Irenäus von Lyon (130-202) Contra Haereses Gegen die Häresien (BKV) Drittes Buch, 21.

Wir haben hier absichtlich einen längeren Abschnitt aus besagtem Buch von Irenäus zitiert, um unseren Lesern dessen starke Klarheit, Entschlossenheit und Unerschütterlichkeit vor Augen zu führen.

Irenäus erwähnt kein einziges Mal den lateinischen Namen Septuaginta (das ist ein starkes Indiz dafür, dass dieser Name erst später geprägt und verwendet wurde) sondern nennt sie stattdessen die „Übersetzung der Ältesten“. Irenäus las, lehrte und schrieb auf Griechisch und so schrieb er eigentlich das Wort Presbyter, was die römisch-katholische Bibliothek der Kirchenväter mit Älteste übersetzt.

Fassen wir kurz zusammen, was Irenäus über die Übersetzung der Presbyter, heute Septuaginta genannt, oben ausführt:

  • Sie ist eine Griechische Übersetzung, die von den alten Juden selbst gemacht wurde, lange bevor es Christen gab.
  • Sie ist daher nicht tendenziös für die Christen geschrieben worden.
  • Sie wurde von 70 Presbytern (Ältesten), die beide Sprachen beherrschten, übersetzt - und zwar von den Originalschriften, in denen sie „besonders bewandert waren“.
  • Die Siebzig arbeiteten getrennt voneinander und kamen aber alle zu exakt demselben Text, Wort für Wort.
  • Die Göttlichkeit dieser Übersetzung wurde also 70-fach bestätigt, von den Juden anerkannt und sogar von den Heiden bemerkt.
  • Beauftragt hat die Übersetzung menschlich betrachtet zwar ein heidnischer Herrscher, dahinter steckt aber in Wahrheit Gottes Plan und Fügung.
  • Sie ist Teil des Heilsplanes Gottes.
  • Sie ist von Gott inspiriert.
  • Es gibt zwar auch andere griechische Übersetzungen, die sind aber allesamt später entstanden. Sie sind frech, schamlos, falsch und tendenziös. Namentlich erwähnt Irenäus die Übersetzungen von Theodotion aus Ephesus und Aquila aus Pontus.
  • Irenäus führt das anhand eines Beispiels vor: Aus der prophezeiten „Jungfrau“ machen die falschen Übersetzer und Ausleger eine „junge Frau“ oder nur ein „Mädchen“. So zerstören sie die großartigen Heilspläne Gottes und vernichten das Zeugnis der Propheten, das Gott kundgetan hat.
  • Auf die Art wird bewusst aus der göttlichen, einzigartigen Jungfrauengeburt Jesu eine menschliche, normale, alltägliche Geburt gemacht.
  • Die Juden wollten erst ab dem Moment andere Übersetzungen anfertigen, als sie aus den Schriften der Septuaginta selbst von den Christen überführt wurden und zum Glauben an die Ankunft des Sohnes Gottes gezwungen wurden. Dadurch wurde die Septuaginta für die Juden unerträglich.
  • Die Apostel und ihre Schüler, die das Neue Testament schrieben, bezogen sich aber ausschließlich auf die Septuaginta, wenn sie das Alte Testament zitierten und auslegten.
  • Und nur so kann die unverfälschte Verkündigung der Kirche stattfinden.
  • Es ist also ein und derselbe Geist Gottes, der in den Propheten gesprochen hat, und der in den 70 Ältesten gut übersetzt hat. Derselbe hat auch durch die Apostel verkündet.
  • Die Gegner der Christen haben andere Übersetzungen und Lesarten in die Welt gesetzt, wo sie absichtlich jene Stellen im Alten Testament abänderten, die die Göttlichkeit Christi bezeugen und Jesus als den Christus beweisen. Sie haben aber nicht alle Stellen verstanden und daher einige übersehen.

Über diese anderen Übersetzungen und deren hebräische Vorlagen urteilten die frühen Christen, die sich damit eingehend befassten, äußert negativ.

Zum Beispiel studierte Origenes alle griechischen und hebräischen Textversionen seiner Zeit ganze 28 Jahre lang und verfasste über seine Erkenntnisse umfangreiche Buchserien, die heute als verloren gelten. Erhalten geblieben ist uns lediglich Ein Brief von Origenes an Africanus, der aber äußerst aufschlussreich ist. Wir haben ihn eigens auf Deutsch übersetzt, da er bisher nur auf Englisch (Ante-Nicene Fathers) verfügbar war. Hier zwei Passagen daraus:

Von den Abschriften in meinem Besitz, deren Lesarten ich angegeben habe, folgt die eine der Siebzig, die andere der Theodotion.

[...]

Ich sage das auch nicht, weil ich die Mühe scheue, die jüdischen Schriften zu untersuchen, sie mit den unseren zu vergleichen und ihre verschiedenen Lesarten zu beachten. Dies habe ich, wenn das nicht arrogant ist zu sagen, bereits weitgehend nach bestem Wissen und Gewissen getan, indem ich mich abgemüht habe, den Sinn in allen Ausgaben und verschiedenen Lesarten zu ergründen; wobei ich besonders auf die Auslegung der Siebzig geachtet habe, damit ich nicht als einer befunden werden könne, der den Gemeinden, die unter dem Himmel sind, irgendeine Fälschung zuschriebe und denen Gelegenheit gebe, die einen solchen Ausgangspunkt suchen, um ihren Wunsch zu befriedigen, die gemeinsamen Brüder zu verleumden und irgendeine Anklage gegen diejenigen zu erheben, die in unserer Gemeinschaft hervorstechen.

Origenes, EIN BRIEF VON ORIGENES (DLDA), 2 und 5.

Origenes nennt die Septuaginta die Abschrift (oder Ausgabe) bzw. die Auslegung (oder Lesart) „der Siebzig“. Damit bestätigt er erstens die Zahl 70, zweitens dass sie der gängige Name der Heiligen Schrift war, um sie zu identifizieren und von anderen abzugrenzen, und erwähnt drittens auch die Übersetzung von Theodotion und die jüdischen Schriften. Er kommt am Ende zum selben Ergebnis wie Irenäus und gibt uns ein Zeugnis darüber, wie die christlichen Gemeinden damals im 2. Jahrhundert über diese Schriften dachten: Nur die Ausgabe „der Siebzig“ war verlässlich, alle anderen Schriften galten als Fälschungen. Darum musste Origenes bei seiner Arbeit besonders auf die Auslegung der LXX achten, um niemand eine Gelegenheit zu irgendeiner Anklage zu geben.

Später hat die Kirche ab Kaiser Konstantin leider diese klare Position der frühen Christen zur Septuaginta aufgegeben und sich stattdessen für die anderen Texte entschieden, die den Grundstein für den Masoretentext legten, der heute der Grundtext für das Alte Testament der allermeisten Bibeln ist. Wesentliche Unterschiede zwischen Septuaginta und Masoretentext besprechen wir in dieser Rubrik: Septuaginta versus Masoretentext.

Seit 2009 gibt es aufgrund der immer größer werdenden Nachfrage die Septuaginta Deutsch, herausgegeben von der Deutschen Bibelgesellschaft in Stuttgart. Somit sind deutschsprachige Christen erstmals in der Lage, in ihrer Muttersprache das Alte Testament auf Basis des Grundtextes zu lesen, den schon Jesus und Seine Apostel gebrauchten und somit die göttliche Harmonie zwischen Altem und Neuen Testament erstmals zu erleben und zu verstehen.

 

Im Überblick

Bibelübersetzungen
Deutsche und Englische Bibeln mit Eckdaten und Beschreibungen

Historische Persönlichkeiten
Biographien und Erklärungen zu Persönlichkeiten rund um die Kirchengeschichte aus und neben der Bibel

Bücher
Biblische und anderen Bücher der Kirchengeschichte

  • S
    • Sadduzäer

      Das Wort Sadduzäer kommt über 10 mal im Neuen Testament vor und ist daher biblisch.

    • SCH2000

      Abkürzung für Schlachter 2000

    • Schauspieler

      Das Griechische Wort hupokritēs (ὑποκριτής G5273)  kommt in der Bibel über 20 mal vor und ist daher biblisch. Es heißt auf Deutsch Schauspieler oder Heuchler.

    • Sekte

      siehe Häresie

    • Septuaginta

      Die Septuaginta war die Heilige Schrift der Juden und Christen zur Zeit Jesu und Seiner Apostel.