• Können die Menschen den Weltuntergang noch verhindern?

Christen leiden anders

Daß aber keiner deswegen glaube, in diesen Ereignissen sei deshalb keine Rache für den Christen zu erblicken, weil man ja sehe, wie sie gleichfalls durch das hereinbrechende Unheil hart betroffen werden! Als Strafe empfindet die Drangsale der Welt nur der, dessen Freude und Herrlichkeit vollständig auf der Welt beruht. Nur der trauert und weint, wenn es ihm schlecht geht in der Zeitlichkeit, dem es nicht gut gehen kann nach dieser Zeitlichkeit, der die ganze Frucht des Lebens nur hier auf Erden genießt, dessen ganzer Trost hienieden endigt, dessen vergängliches und kurzes Leben nur hier einige Wonne und Lust erwartet und dem nur mehr Strafe und Schmerz bevorsteht, wenn er von hinnen geschieden ist. Dagegen kennen die keinen Schmerz über das Hereinbrechen der gegenwärtigen Übel, die mit Vertrauen den künftigen Gütern entgegensehen. Und so lassen wir uns durch diese Widrigkeiten weder aus der Fassung bringen noch entmutigen, weder betrüben wir uns noch murren wir bei irgendwelchem Verlust an Hab und Gut oder bei leiblicher Krankheit. Da wir mehr im Geiste als im Fleische leben, besiegen wir durch die Stärke unseres Geistes die Schwäche des Leibes. Wir wissen und vertrauen darauf, daß gerade das uns nur zur Prüfung und Stärkung dient, was für euch nur Qual und Pein ist.

Glaubt ihr denn, wir leiden unter den Drangsalen in gleicher Weise wie ihr, obwohl ihr doch seht, daß die Art und Weise ganz verschieden ist, in der dieselben Heimsuchungen von uns und von euch ertragen werden? Bei euch herrscht immer nur laute und klagende Ungeduld, bei uns mutige und gottergebene Geduld, die sich stets ruhig verhält und immer gegen Gott dankbar ist; sie beansprucht hienieden für sich keine Freude und kein Glück, sondern mild und sanft und unerschütterlich gegenüber allen Stürmen der ruhelos hin und her wogenden Welt erwartet sie die Zeit der göttlichen Verheißung. Denn solange dieser Leib uns gemeinsam verbleibt mit den übrigen Menschen, so lange muß auch das leibliche Schicksal gemeinsam bleiben, und dem Menschengeschlecht ist keine gegenseitige Absonderung gestattet, außer wenn wir aus der Zeitlichkeit hienieden abscheiden. In einem Hause wohnen wir, Gute und Böse, einstweilen beisammen. Alles, was innerhalb des Hauses eintritt, das haben wir nach gleichem Lose zu erdulden, bis das Ende des zeitlichen Lebens erfüllt ist und wir der Stätte des ewigen Todes oder der ewigen Unvergänglichkeit als Gäste zugeteilt werden. So sind wir also nicht etwa deswegen mit euch völlig auf eine Stufe zu stellen, weil wir den Unbilden der Welt und des Fleisches in gleicher Weise wie ihr ausgesetzt sind, solange wir noch auf dieser Welt und in diesem Fleische leben. Denn da jegliche Strafe auf Schmerzgefühl beruht, so ist es doch offenbar, daß der an deiner Strafe keinen Anteil hat, der, wie du siehst, nicht wie du Schmerz empfindet.