Das Wort Pascha kommt 29 Mal im Neuen und rund 40 Mal im Alten Testament vor und ist somit biblisch. 

Das Wort Pascha hat in der Heiligen Schrift mehrere Bedeutungen, die miteinander untrennbar zusammen hängen.

  • Ursprünglich bezeichnete es das letzte Abendmahl vor dem historischen Auszug aus Ägypten.
  • Danach wurde damit das jährliche Fest der Israeliten (und später der Juden) zum Andenken an jenen Exodus bezeichnet.
  • Schließlich wird damit auch nur das Schaf bezeichnet, das an diesem Fest geschlachtet wird, um geopfert und gegessen zu werden.

Alle drei Bedeutungen sind derart untrennbar miteinander verbunden, dass sie an vielen Stellen in der Schrift praktisch synonym sind.  Es gibt kein Paschafest ohne Paschamahl, und kein Paschamahl ohne Paschalamm. Wenn in der Schrift vom Pascha die Rede ist, dann also in der Regel vom Paschalamm, das als Paschamahl beim Paschafest verspeist wird. Noch austauschbarer werden die Begriffe im Neuen Testament, wo alle drei auf Jesus Christus deuten.

Schreibweise und Aussprache

Pascha ist die lateinische Transkription des griechischen Wortes πάσχα (ausgesprochen pas-cha), das wiederum die griechische Transkription des ursprünglichen hebräischen Wortes פסח (PSCH) ist.

Das Wort πάσχα (pas-cha) steht seit dem 3. Jahrhundert vor Christus im griechischen Alten Testament, der sogenannten Septuaginta, und genauso schrieben es Matthäus, Markus, Lukas, Johannes und Paulus im Neuen Testament. Die frühen Christen bewahrten diese vom Heiligen Geist inspirierte und vom Herrn bestätigte, historische Schreibweise der Septuaginta und der Apostel ebenso treu wie deren Aussprache.

Ende 2. Jahrhundert n. Chr. schrieb Tertullian erstmals christliche Lehrtexte auf Latein und transkribierte dafür das griechische Wort präzise ins Lateinische und prägte damit die latinisierte Schreibweise „Pascha“. Erst ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. wurden davon abweichende Schreibweisen, Begriffe oder Aussprachen eingeführt wie Phasek, Pesach, Ostern, Passover, Passah oder Passa.


Das erste Pascha

Das erste Pascha war das letzte Abendmahl der Israeliten vor dem historischen Auszug aus Ägypten. Es wurde in sämtlichen Details von Gott geplant und befohlen:

Der Herr aber sagte zu Mose und Aaron im Land Ägypten:

Dieser Monat ist für euch der Anfang der Monate, der erste ist er für euch unter den Monaten des Jahres. Sprich zur ganzen Gemeinschaft der Israeliten:

Am Zehnten dieses Monats sollen sie ein Schaf nehmen, jeder nach Vaterhäusern, ein Schaf pro Haus. Wenn aber die, die in dem Haus wohnen, sehr wenige sind, sodass sie nicht genug sind für ein Schaf, dann soll man seinen nächsten Nachbarn zu sich dazunehmen, entsprechend der Anzahl der Menschen. Jeder soll das für ihn Ausreichende zusammenrechnen auf das Schaf. Ein tadelloses männliches einjähriges Schaf soll es für euch sein. Von den Lämmern und den Kitzen sollt ihr es nehmen

Und es soll für euch aufbewahrt sein bis zum vierzehnten (Tag) dieses Monats, und die ganze Menge der Gemeinschaft der Israeliten: Sie sollen es gegen Abend schlachten.

Und sie sollen etwas von dem Blut nehmen und es anbringen an die beiden Pfosten und am Türsturz in den Häusern, in denen sie es essen wollen.

Und sie sollen die Fleischstücke in dieser Nacht verzehren. Am Feuer Geröstetes und ungesäuerte Brote auf Bitterkräutern sollen sie essen. Ihr sollt davon nichts Rohes und in Wasser Gekochtes essen, sondern (nur) am Feuer geröstete Stücke, den Kopf mitsamt den Füßen und den Eingeweiden. Ihr sollt nichts davon übrig lassen bis zum Morgen, und keinen Knochen von ihm sollt ihr zerbrechen. Was aber bis zum Morgen von ihm übrig bleibt, sollt ihr im Feuer verbrennen.

So aber sollt ihr es verzehren: Eure Lenden (sollen dabei) gegürtet sein und die Schuhe an euren Füßen und die Stäbe in euren Händen.

Und ihr sollt es in Eile essen: Es ist ein Pascha für den Herrn.

Und ich werde durch das Land Ägypten ziehen in dieser Nacht und jede Erstgeburt im Land Ägypten schlagen, vom Menschen bis zum Vieh, und an allen Göttern der Ägypter werde ich Rache nehmen: ich, der Herr.

Und das Blut soll als Zeichen für euch an den Häusern sein, in denen ihr seid, und ich werde das Blut sehen und euch schützen, und keinen Vernichtungsschlag wird es unter euch geben, wenn ich zuschlage im Land Ägypten. 

Und dieser Tag soll für euch ein Andenken sein, und ihr sollt ihn feiern als ein Fest für den Herrn bis in alle eure Generationen. Als ewige Regel sollt ihr ihn feiern. (Ex 12,1-14)

Ein paar Absätze später folgen weitere Anweisungen:

Der Herr sagte aber zu Mose und Aaron: Dies ist das Gesetz des Pascha:

Kein Fremdstämmiger soll davon essen. Und jeden Haushaltssklaven, den einer hat, oder für Geld gekauften Sklaven, den sollst du beschneiden, und dann soll er davon essen. Ein Fremder oder Tagelöhner soll nicht davon essen. 

In einem einzigen Haus soll es gegessen werden; nicht sollt ihr von den Fleischstücken etwas aus dem Haus heraustragen. Und keinen Knochen von ihm sollt ihr zerbrechen.

Jede Gemeinschaft von Israeliten soll das tun.

Wenn zu euch aber ein Hinzugekommener kommt, um das Pascha des Herrn zu begehen, dann sollst du von ihm jedes Männliche beschneiden, und dann soll er hinzukommen, um es zu begehen, und er soll sein wie auch der Eingeborene des Landes. Kein Unbeschnittener soll davon essen. Ein einziges Gesetz soll gelten für den Eingeborenen und für dem Hinzugekommenen, der zu euch hinzugekommen ist.

Und die Israeliten taten (so), wie der Herr dem Mose und Aaron für sie geboten hatte, so taten sie. (Ex 12,43-50)

Das ist das ursprüngliche Gebot für das Pascha, nach dem Wortlaut der Septuaginta. Man kann es so zusammenfassen:

  • Jede Familie, jede Hausgemeinschaft musste ein Schaf schlachten und aufessen.
  • Das Fleisch musste im selben Haus bleiben.
  • Kein Knochen durfte zerbrochen werden.
  • Familien, die das alleine nicht schafften, sollten sich mit den Nachbarn zusammentun.
  • Das Lamm durfte nicht gekocht werden, sondern musste auf dem Feuer geröstet, also gegrillt werden.
  • Dazu durften keine Beilagen gegessen werden, außer bittere Kräuter und ungesäuertes, geröstetes Brot.
  • Das Blut des Lammes musste an den Türstock gestrichen werden.
  • Es sollte in Eile gegessen werden.
  • Nur Beschnittene durften teilnehmen.
  • Nur Familien, die alle Vorschriften richtig erfüllten, wurden vom Todesengel, der in der Nacht durch die Stadt ging, verschont.

Es war also keine mehrgängige, gemütliche Gaumenfreude mit Feststimmung, sondern ein in vielerlei Hinsicht herausforderndes Lammfleischessen mit bitterem Beigeschmack und der Erwartung des todbringenden oder verschonenden Eingreifens Gottes.

Es war auch kein  Dinner for one, das sich jeder Mensch individuell selbst zusammenstellen durfte, sondern ein Gemeinschaftsmahl, das Gott bis ins kleinste Detail vorgab und das über Leben und Tod entschied. Es wurde nicht die persönliche Beziehung zu Gott auf den Prüfstand gestellt, sondern der Zusammenhalt und Gehorsam der ganzen Familie zu Gott. Es war ein Gemeinschaftsprojekt im Zeichen des Blutes und der Abhängigkeit von Gottes Wohlgefallen, Führung und Rettung.


Das jährliche Pascha im Alten Testament

Bereits bei der Anordnung zur Einsetzung des ersten Pascha befahl Gott, dass es als Erinnerungsfest jährlich wiederholt werden muss (Ex 12,14). Außerdem musste das Pascha immer in Kombination mit dem Fest der Ungesäuerten Brote begangen werden. Das siebentägige Fest der Ungesäuerten Brote begann am ersten Abend mit dem Pascha. Dabei war die Erinnerung an den Auszug aus Ägypten bei weitem nicht der einzige Sinn. Es steckte mehr dahinter, unterwies Gott den Mose:

Und es soll so sein: Wenn euch eure Söhne fragen: »Was ist das für ein Brauch ?«,  so sollt ihr ihnen sagen: »Ein Opfer ist dieses Pascha für den Herrn, der die Häuser der Israeliten in Ägypten beschützte, als er die Ägypter schlug, unsere Häuser aber errettete.« (Ex 12,26-27)

Das Pascha war also gar nicht nur als Mahl für die Menschen gestiftet worden, sondern auch als ein Opfer für den Herrn! Das erklärt auch die wenig schmackhafte Rezeptur und die anschließende Woche der ungesäuerten Brote. Beides soll nicht den Menschen schmecken, sondern Gott. Die Menschen sollen nicht an ihren Bauch denken, sondern an Gott. Die Israeliten sollen sich besinnen, wer ihr Gott ist, der sie errettet. Die Schafe sind in Wahrheit ein Opfer für Gott. Und es sollte nicht nur bei den Schafen bleiben.

Gott gab dem Mose nach der Wüstenwanderung zusätzliche Anweisungen zum Pascha. Etwa dass kranke, unreine oder reisende Menschen nicht am Pascha teilnehmen sollen, es aber auch nicht auslassen dürfen, sondern später nachholen müssen. Dafür bestimmte Gott einen Ersatztermin. Oder dass das Pascha nur an einem Ort, den Gott festlegen wird, gefeiert werden darf. Dieser Ort sollte schließlich Jerusalem werden.

Und Gott legte später noch einen größeren Fokus auf die Schlachtopfer, indem Er weitere Opfertiere verlangte:

Und du sollst dem Herrn, deinem Gott, das Pascha opfern, Schafe und Ochsen, an dem Ort, den der Herr, dein Gott, sich erwählen wird, damit dort sein Name angerufen werde. (Dtn 16,2)

Das geriet im Laufe der Geschichte zuweilen in Vergessenheit, zum Schaden des Volkes Gottes, über das zunehmend der Zorn des Herrn kam. Aber die Schrift weiß auch von positiven Beispielen zu berichten. Besonders lobt sie in der Hinsicht König Josias, denn er verstand, dass das Pascha in erster Linie ein Opferfest für den Herrn sein soll und beging es vorbildlich:

Und Josias schenkte dem Volk, das sich eingefunden hatte, 30000 junge Schafe und Ziegen sowie 3000 junge Stiere. Dies wurde gemäß einem Versprechen dem Volk und den Priestern und den Leviten aus dem königlichen Besitz gegeben. Auch gaben Chelkias und Zacharias und Esyel, die Tempelvorsteher, den Priestern zum Pascha 2600 Schafe und 300 junge Stiere. Auch die Obersten Jechonias und Samaias und Nathanael, sein Bruder, und Hasabias und Ochiel und Joram gaben den Leviten zum Pascha 5000 Schafe und 700 junge Stiere.

Nachdem das geschehen war, stellten sich die Priester und die Leviten mit den ungesäuerten Broten in der Hand, wie es sich geziemt, nach Stämmen und Familienabteilungen vor dem Volke auf, um dem Herrn zu opfern, so wie es im Buch des Moses geschrieben ist. Und ebenso machten sie es am Morgen.

Sie brieten das Pascha über dem Feuer, wie es sich gehört, die Opfer aber kochten sie in Kupferkesseln und Töpfen – es roch gut – und brachten davon allen aus dem Volk. Danach aber bereiteten sie für sich selbst zu und für ihre Brüder, die Priester, die Söhne Aarons. Die Priester nämlich brachten die Fettstücke dar bis spät in die Nacht, und die Leviten bereiteten für sich selbst zu und für ihre Brüder, die Priester, die Söhne Aarons. […] So wurde an jenem Tag vollzogen, was zum Opfer des Herrn gehört, die Begehung des Pascha und die Darbringung der Opfer auf der Opferstätte des Herrn nach der Anordnung des Königs Josias.

So begingen die Israeliten, die sich zu dieser Zeit eingefunden hatten, sieben Tage lang das Pascha und das Fest der ungesäuerten Brote.

Derartig war das Pascha in Israel nicht mehr begangen worden seit den Zeiten des Propheten Samuel.

Auch alle Könige Israels hatten kein solches Pascha begangen, wie Josias es beging und die Priester und die Leviten und die Judäer und ganz Israel, die sich an ihrem Wohnsitz in Jerusalem befanden. Im 18. Jahr der Regierung des Josias wurde dieses Paschafest begangen. (1. Esdras 1,7-20 LXXD)

Über 40.000 Tiere wurden hier für das Pascha geschlachtet - die einen als Brandopfer für den Herrn, die anderen als Abendessen für die Menschen. Ist das positiv? Ist das vorbildlich? Die Schrift lässt keinen Zweifel aufkommen, dass das hier ein besonders positives, vorbildliches Beispiel eines Paschas ist. Sie lobt König Josias und seine Ausführung des Pascha in höchsten Tönen, mit der er das Volk wieder seinem Gott zugewandt und Gottes Zorn abgewandt hatte. Zumindest vorübergehend. Doch es sollte ein nachhaltigeres Pascha folgen, das bereits im Alten Testament prophezeit wird:


Das prophezeite Pascha

Der frühe Christ Tertullian weist uns darauf hin, dass der Prophet Jeremia die christologische Bedeutung des Pascha vorhersagte:

Aber auch Jeremias, wenn er sagt: „Und ich werde sie versammeln von den Enden der Erde am Festtag des Pascha“, bezeichnet den Tag auch des Pfingstfestes, welches eigentlich der Festtag ist.

Tertullian, De baptismo, Über die Taufe (DLDA), 19,2

Dieses Prophetenwort finden wir heute nur noch in der Septuaginta (LXX) in Jeremia 38,8 bzw. 31,8 - je nach Zählung. Alle Bibeln, die dem Masoretentext (MT) im Alten Testament folgen, verpassen hingegen diese (und nicht nur diese) messianische Prophetie. Für die frühen Christen war die Heilige Schrift, wie sie der Herr und Seine Apostel hatten, maßgeblich. Daher kannten sie diese Prophetie und deren historische Erfüllung im Neuen Testament. Es würde einen eigenen Beitrag füllen, um auszuführen und mit Zitaten zu belegen, wie die frühen Christen das Pascha verstanden, lehrten und feierten. Solch ein Beitrag kommt vielleicht noch zu gegebener Zeit. Hier reicht der Hinweis, dass der Prophet Jeremia einen bestimmten Festtag des Pascha in der Zukunft vorhersagte, an dem der Herr die Völker versammeln werde vom Ende der Erde. Und dass die frühen Christen diese Prophezeiung nicht nur kannten, sondern auch verstanden - im Gegensatz zu späteren Christen, denen beides fehlt. Sollte uns das nicht demütig und neugierig machen?


Das Pascha im Neuen Testament

Alle vier Evangelisten berichten, dass Jesus im Laufe Seines Lebens immer wieder nach Jerusalem kam, um das Pascha zu feiern. Dabei wird Sein letztes Pascha besonders hervorgehoben. Matthäus berichtet:

Und es geschah, da Jesus alle diese Worte vollendet hatte, sprach Er zu Seinen Jüngern:  Ihr wisset, daß nach zwei Tagen Pascha wird; und des Menschen Sohn wird überantwortet, daß Er gekreuzigt werde. (Mt 26,1-2 TAF)

Damit spannte der Herr im Voraus schon den Bogen vom Paschaopfer des Alten Bundes zum Paschaopfer des Neuen Bundes. Zwei Tage später sollte Jesus das Paschalamm essen. Matthäus berichtet von einigen aufschlussreichen Details:

Aber am ersten des Ungesäuerten kamen die Jünger zu Jesus und sagten: Wo willst Du, daß wir Dir bereiten, das Paschalamm zu essen? Er aber sprach: Geht hin in die Stadt zu einem und sagt ihm: der Lehrer sagt: Meine Zeit ist nahe; bei dir halte Ich das Pascha mit Meinen Jüngern. Und die Jünger taten, wie ihnen Jesus verordnet hatte, und bereiteten das Pascha. Als es aber Abend geworden, legte Er Sich mit den Zwölfen zu Tisch. (Mt 26,17-20 TAF)

Neben klaren Parallelen zum Pascha im AT können wir auch die ersten Unterschiede erkennen. Jesus feiert dieses Pascha nicht mehr wie im AT mit der leiblichen Familie, auch nicht mit Seiner Mutter, sondern mit Seinen Jüngern, die ebenfalls das Pascha nicht mit ihren Familien zusammen essen. Dennoch ist es ein Gemeinschaftsmahl im Kreise der Familie, nämlich der geistlichen Familie, die für Jesus an erster Stelle steht vor der leiblichen. Das lehrte Er einige Male in den Jahren davor und führt nun ein letztes Mal vor, dass es Ihm ernst ist damit. Die Jünger wirken überhaupt nicht überrascht. Im Gegenteil, sie setzen bei ihrer Fragestellung selbstverständlich voraus, dass Jesus nur mit ihnen das Pascha essen wird.  

Lukas überliefert uns weitere Details:

Und Er sprach zu ihnen: Mit Verlangen habe Ich begehrt, dies Pascha mit euch zu essen, ehe denn Ich leide. Denn Ich sage euch, daß Ich nicht mehr davon essen werde, bis es erfüllt wird im Reiche Gottes. Und Er empfing den Kelch, dankte und sprach: Nehmet dies und verteilet es unter euch. Denn Ich sage euch, daß Ich von dem Gewächse des Weinstocks nicht mehr trinken werde, bis das Reich Gottes komme. Und Er nahm Brot, dankte, brach es und gab es ihnen und sprach: Dies ist Mein Leib, der für euch gegeben wird, das tut zu Meinem Gedächtnisse. Desselbigen gleichen auch den Kelch, nach dem Abendmahl, und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in Meinem Blute, das für euch vergossen wird.  (Lk 22,15-20 TAF)

Jesus begehrte dieses Abendmahl mit seinen Jüngern. Den Grund dafür konnten die Jünger wohl erst eine Weile später in seinem vollen Umfang erfassen.

Der Wein, der im Alten Testament an keiner Stelle erwähnt wird, gehört offenbar selbstverständlich dazu. Jesus thematisiert den Wein in mehrerer Hinsicht.

Erstens, dass es das letztes Mal ist, dass Er ihn trinken wird, bevor das Reich Gottes kommt. Eine aufschlussreiche Aussage und ein weiteres Detail, das in die Zukunft weist. Davor erwähnt der Herr, dass Er auch nicht mehr vom Pascha essen werde, bevor es im Reich Gottes erfüllt wird. Eine weitere spannende Aussage: Das Paschalamm wird im Reich Gottes erfüllt - und danach erneut gegessen? Für Jesus dreht sich dieses Paschamahl also eindeutig um ein zukünftiges Ereignis und nicht um ein vergangenes wie den Exodus. Nach dem Paschamahl gemäß dem Gesetz Moses führt Er ein neues Abendmahl ein zum Andenken an ein Rettungsereignis bevor es überhaupt stattgefunden hat - eine weitere Parallele zum ersten Pascha im AT.

Zweitens nennt Jesus den Wein als Zeichen Seines Blutes, das vergossen wird, und als Zeichen des neuen Bundes. Damit hebt der Herr das Pascha aus dem Alten Testament, das ja immer im Zeichen des Blutes stand, auf eine neue Bedeutungsebene. Wiederum wird gegessen und Blut vergossen. Aber diesmal ist Jesus selbst das Paschalamm. Sein Fleisch wird durch das Brot versinnbildlicht und Sein Blut durch den Wein. Allmählich werden frühere Predigten des Herrn klar, wo Er betonte, dass Er gegessen und getrunken werden muss von jedem, der ewiges Leben haben will (Joh 6,51-58).

Paulus führt die tiefe Symbolik und Erfüllung des Pascha durch Christus aus und bringt sie auf den Punkt:

Schafft den alten Sauerteig hinaus, damit ihr ein neuer Teig seid, wie ihr ja schon ungesäuert seid; denn auch unser Paschalamm ist geschlachtet, nämlich Christus. (1.Kor 5,7 HRD)


Das Datum

Wer genau hinsieht, dem fällt auf, dass der Herr dem Mose zwar ein Datum nannte, aber ein anderes als wir heute üblicherweise hören. Genau genommen erlässt Gott mit dem Pascha sogar eine neue Zeitrechnung:

Dieser Monat ist für euch der Anfang der Monate, der erste ist er für euch unter den Monaten des Jahres. (Ex 12,2)

Mit dem Monat, in dem das erste Pascha stattfand, soll also fortan das Jahr beginnen. Das ist der Kalender, den Gott mit dem Auszug aus Ägypten festlegte. Hielten sich die Israeliten daran? Nahmen sie sofort Bleistift und Papier zur Hand und zählten ab sofort brav die Tage und Monate und stellten so ihren Kalender für alle Ewigkeit sicher? Man darf es bezweifeln.

Aber eines wissen wir gewiss: Mose nannte nicht den Monatsnamen „Nisan“, der heute von den Juden genannt wird. Die Juden lernten diesen Namen erst viele Jahrhunderte später in der babylonischen Gefangenschaft kennen und brachten ihn bei ihrer Rückkehr aus Babylon mit. Deswegen steht der Name „Nisan“ nur in zwei Büchern des Alten Testaments geschrieben, nämlich in Esther und Esra/Nehemia, die im Exil oder danach verfasst wurden. Seither beginnt der hebräische Kalender mit dem Monat Nisan.

Aber wie verlässlich ist der hebräische Kalender über die Jahrtausende gepflegt und erhalten geblieben und wie passt er mit unserem heutigen Kalender zusammen?

Leider zogen im Laufe der Jahrtausende schon viele verschiedene Kalender durch die Länder und sorgten für Verwirrung und Unordnung, damals wie heute. Erst recht trifft das auf unsere Kalenderkultur zu. Zuerst einmal besteht das Problem, dass unser modernes Jahr mit dem Jänner bzw. Januar beginnt. Das war weder zur Zeit Christi der Fall noch zur Zeit Moses. Zur Zeit Christi war Rom die Leitkultur. Der erste Monat im Jahr war damals bei den Römern der März. Das war der Frühlingsbeginn und passte auch besser zum Jahresbeginn, den Gott dem Mose ansagte. Unser Kalender ist dem gegenüber um zwei Monate verschoben. Das erkennt man noch an den alten Monatsnamen, die aber bei uns mittlerweile an der falschen Stelle stehen: September (von lateinisch Sieben), Oktober (lateinisch Acht), November (lateinisch Neun), Dezember (lateinisch Zehn). In der Römerzeit standen die Monate noch an den Stellen, die mit ihren Namen bezeichnet wurden. Der erste Monat war der März, der zehnte der Dezember, und der letzte im Jahr der Februar(ius).

Aber das ist noch nicht alles. Wir haben heute auch völlig andere Monatslängen! Im Altertum und der Antike zählten die Menschen die Monate nach der Beobachtung der Natur, konkret des Mondes. Vom Mondaufgang (erste Sichel nach dem Neumond) bis zum Monduntergang (Neumond) dauerte ein Monat. Jeder Monat war also gleich lang. Das war bei den Hebräern genauso der Fall wie bei den Babyloniern und Persern. Erst die Römer brachen damit und erstellten einen lunisolaren Kalender, wo Mond und Sonne vermischt werden. Julius Caesar führte 45 v. Chr.  den Julianischen Kalender mit genau den unterschiedlichen, einander abwechselnden Monatslängen ein, die wir heute kennen. Damit wich er nicht nur von dem Gott gegebenen natürlichen Rhythmus des Mondes ab, sondern auch von dem System vieler alten, unterworfenen Völker. Dazu gehörten auch die Juden, die gezwungen waren, zwei verschiedene Kalender nebeneinander zu beobachten: den römischen für den beruflichen Alltag im römischen Reich und den hebräischen für ihre Religion. Das war komplizierter als es sich vielleicht anhört. Denn der julianische Sonne-Mond-Kalender der Römer wich mit jedem Jahr mehr vom Mondkalender der Hebräer ab, sodass sich die Jahreszeiten verschoben.

Die Juden hatten immer größere Mühe, beide Kalendersysteme nebeneinander zu befolgen, weil sie nicht einfach umrechnen konnten, da sie zusätzlich laufend die Natur beobachten mussten für ihren Kalender. Sie beobachteten die Mondsichel und andererseits die Gerstenernte. Für das Bestimmen der ersten Mondsichel brauchte es mindestens zwei Zeugen, die bestätigten, dass die Sichel zu sehen ist und somit der Monat begonnen hatte. Das konnte an verschiedenen Orten (Jerusalem, Rom, Alexandria, Konstantinopel, Karthago, etc.) voneinander abweichen. Auch die Gerstenernte war nicht überall zur selben Zeit. Nachdem dann Jerusalem mitsamt dem Tempel zerstört war, verschärfte sich das Problem für das Judentum, weil das zentrale Element Jerusalem wegfiel.

Das führte im 2. Jahrhundert nach Christus zu einer Kontroverse im Christentum. Manche Christen hielten sich an die lokalen Juden, andere sagten, man dürfe das nicht tun, weil man sonst das Pascha bzw. Ostern mitunter zweimal im Jahr feierte - und das sei eine inakzeptable Lästerung, denn Christus ist nur einmal auferstanden. Eusebius von Cäsarea berichtet darüber in seiner Kirchengeschichte wie folgt:

Damals war ein nicht unbedeutender Streit entstanden. Während nämlich die Gemeinden von ganz Asien auf Grund sehr alter Überlieferung glaubten, man müsse den 14. Tag des Mondes, an welchem den Juden die Opferung des Lammes befohlen war, als Fest des Erlösungspascha feiern und auf jeden Fall an diesem Tage, gleichviel welcher Wochentag es gerade sein mochte, die Fasten beenden, war es bei den Kirchen auf dem ganzen übrigen Erdkreise nicht üblich, es auf diese Weise zu halten; man beobachtete vielmehr gemäß apostolischer Überlieferung den noch heute giltigen Brauch, daß an keinem anderen Tage als dem der Auferstehung unseres Erlösers die Fasten beendet werden dürfen. Es fanden daher Konferenzen und gemeinsame Beratungen von Bischöfen statt, und alle gaben einstimmig durch Rundschreiben die kirchliche Verordnung hinaus, daß das Geheimnis der Auferstehung des Herrn an keinem anderen Tage als am Sonntage gefeiert werden dürfe und daß wir erst an diesem Tage das österliche Fasten beenden dürfen. Noch jetzt sind vorhanden ein Schreiben der damals in Palästina zusammengetretenen Bischöfe, von welchen Bischof Theophilus von Cäsarea und Bischof Narcissus von Jerusalem den Vorsitz führten, ein Schreiben der in Rom versammelten Bischöfe, welches die gleiche Streitfrage behandelt und den Namen des Bischofs Viktor trägt, ein Schreiben der Bischöfe des Pontus, deren Vorsitzender Palmas als der Älteste war, ein Schreiben der Gemeinden in Gallien, deren Bischof Irenäus war, ferner ein Schreiben der Bischöfe in Osroëne und in den dortigen Städten, ein Privatschreiben des Bischofs Bacchyllus von Korinth und noch Schreiben von sehr vielen anderen Bischöfen. Sie bekunden eine und dieselbe Meinung und Ansicht und geben das gleiche Urteil ab. Ihr einstimmiger Beschluß ist erwähnt.

Eusebius von Caesarea (260-339), Historia Ecclesiastica Kirchengeschichte (BKV), Fünftes Buch, 23. Kap. Der damalige Streit um das Osterfest.

Die Kontroverse ging aber weiter bis zu Kaiser Konstantin, der den Streit erst im 4. Jahrhundert am Konzil von Nizäa (325) beendete durch einen einstimmigen Beschluss zum Ostertermin. Ohne auf die Situation näher einzugehen, kann man doch sagen, dass es bereits im 2. Jahrhundert n. Chr. Spaltungstendenzen im Leib Christi gab. Denn offenbar kamen nach den Aposteln neue Ideen auf, wann man Ostern feiern könnte. Es war eine gewisse Herausforderung, den Tag zu nennen, an dem Jesus wirklich auferstand - vom Datum her betrachtet. Nur der Wochentag war noch bekannt. Und das führt uns zum nächsten brisanten Punkt:

Gott verzichtet bewusst auf Monatsnamen!

Weder beim Festlegen des ersten Pascha im Buch Exodus, noch bei den Berichten über das Pascha, das Jesus mit Seinen Jüngern feierte, wird je ein Monatsname genannt. Ist das nicht auffällig? Ist das Zufall? Nein! In Gottes Anweisungen und Überlieferung hat alles einen tieferen Sinn, der uns etwas lehren soll. Im ganzen Neuen Testament wird nie ein Monatsname erwähnt in Bezug auf jenes besondere Pascha, das später Ostern genannt würde, schon gar nicht ein kalendarisches Datum. Stattdessen gibt es andere Bezüge.

Wir erfahren beim ersten Pascha übrigens nicht nur den Monat (nämlich den ersten des Jahres), sondern auch den Tag:

Und es soll für euch aufbewahrt sein bis zum vierzehnten (Tag) dieses Monats, und die ganze Menge der Gemeinschaft der Israeliten: Sie sollen es gegen Abend schlachten. (Ex 12,6)

Warum ausgerechnet der vierzehnte Tag? Gott allein weiß warum. Jedenfalls ist dieser Tag besonders leicht zu identifizieren in einem Mondkalender, weil das genau der Tag des Vollmondes ist. Das könnte einer der Gründe sein, warum Gott erstens den Menschen den Mond als Kriterium für die Bestimmung von Monaten und Festen genannt hat (Gen 1,14) und zweitens den 14. Tag für das Pascha (Ex 12,6). Beides ist anhand der Himmelslichter leicht zu bestimmen.

Liest man die Evangelien aufmerksam durch, stößt man - neben vielen vielleicht verwirrenden, weil unterschiedlichen - doch auf ein gemeinsames Detail: Sie alle berichten, dass Jesus am Rüsttag gekreuzigt wurde und am Abend davor das Pascha mit Seinen Jüngern hielt. Der Rüsttag war immer der Tag vor dem Sabbat. Sabbat war der siebente Tag, also der Samstag. Dieser Bezug verrät uns mit Sicherheit, dass Jesus an einem Freitag gekreuzigt und begraben wurde. Wir nennen ihn heute Karfreitag. Das Pascha fiel in jenem Jahr also auf einen Donnerstag. Im Christentum wird er heute als Gründonnerstag bezeichnet. Zusätzlich wird uns in allen Evangelien verraten, dass Jesus am ersten Tag der Woche auferstand. Das war nach damaliger Zählung der Sonntag. Heute beginnt unsere Woche mit dem Montag - ein weiterer Konflikt mit der biblischen Systematik.

Somit bestätigen alle Berichte in den Evangelien diese drei Punkte:

  • Paschamahl am Donnerstag [Gründonnerstag].
  • Verurteilung, Kreuzigung und Tod Christi am Rüsttag (Tag vor dem Sabbat), also Freitag [Karfreitag].
  • Auferstehung am Tag nach dem Sabbat, bzw. am ersten Tag der Woche. In beiden Fällen also Sonntag [Ostersonntag].

Das ist alles kein Zufall. Die frühen Christen wurden von den Aposteln darin unterwiesen, was all diese Dinge zu bedeuten haben. Der Sonntag etwa, ist nicht nur der erste Tag der Woche, sondern - weil er nach dem Sabbat, dem siebenten Tag, kommt - gleichzeitig auch der achte Tag! Das war immer schon ein ganz besonderer Tag. Wir schrieben darüber einen eigenen Beitrag: Der Tag des Herrn.

Selbst wenn man die tiefe Symbolik nicht begreift, muss man doch zugeben, dass die oben angeführten drei Punkte die einzigen Anhaltspunkte sind, die uns der Heilige Geist durch die Evangelisten überliefert hat. Reichen uns diese?

Die Geschichte lehrt uns, dass nicht alle Christen damit zufrieden waren. Manche wollten es jüdischer und feierten jedes Jahr das Pascha der Juden. Andere wollen es komplizierter und rechneten sich selbst mehr oder weniger geschickt ein Jubiläumsdatum aus. Sie müssen durch verschiedene Kalenderumstellungen durchblicken, die über die Jahrhunderte und Jahrtausende durch teils abrupte und willkürlich festgelegte Schalttage und Schaltmonate verschieden große Lücken und Zeitsprünge ergaben. Will man außerdem jedes Jahr die Gerstenernte treffen und den Vollmond, wird es richtig kompliziert und rasch regional. Und soll so ein wichtiges Fest wirklich vom regionalen Klima abhängig sein? Hat Gott das so gewollt? Schließlich nannte Er weder die Gerstenernte noch den Monatsnamen - und schon gar nicht ein fixes Datum. Und all das sicherlich mit Absicht.

Erneut die Frage: Geben wir uns zufrieden mit der Ordnung der Anhaltspunkte, die Gott uns nennt? Oder stellen wir lieber unsere eigene Ordnung auf, durch eigene Berechnungen und Überlegungen, anstatt der inspirierten Überlieferung der Apostel zu folgen? Wollen wir weltlich denken oder göttlich?

Im Überblick

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Biographien und Erklärungen zu Persönlichkeiten rund um die Kirchengeschichte aus und neben der Bibel

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      Das Wort Pascha kommt 29 Mal im Neuen und rund 40 Mal im Alten Testament vor und ist somit biblisch.