Der Textus Receptus (kurz TR) ist der Grundtext des Neuen Testamentes der Bibeln der Reformation, der Täufer und der Erweckungsbewegung.
Der Begriff Textus Receptus ist Latein und heißt auf Deutsch „überlieferter Text“. Er gehört zu der großen Textfamilie vom Mehrheitstext, der auch Byzantinischer Text (kurz Byz) genannt wird (weil er aus der Region Byzanz stammt, dort wo alle alten von den Aposteln gegründeten christlichen Gemeinden waren und deren Originalschriften aufbewahrt wurden). Die Überlieferungskette der byzantinischen Texte ist sehr genau und treu und - obwohl es tausende Textzeugen gibt - erstaunlich übereinstimmend und sicher. Es ist der Griechische Text des Neuen Testaments, der uns von den frühen Christen überliefert wurde. Daraus wurde in der Zeit der Reformation der Textus Receptus erstellt und war von da an Jahrhunderte lang der bevorzugte Grundtext für das Neue Testament.
Später lief dem Textus Receptus allerdings ein anderer, neuerer Grundtext den Rang ab: der von zwei Herren erstellte und nach ihnen benannte Nestle-Aland (kurz NA), den heute so gut wie alle modernen Bibeln verwenden. Das Motto scheint hier zu lauten „die neuesten Erkenntnisse sind die besten“. Es ist ein fragwürdiges Motto, insbesondere in geistlichen Fragen, das schon beim Grundtext zum Alten Testament für einen breiten Abfall vom gottesfürchtigen und überlieferten Grundtext der frühen Christen, nämlich der Septuaginta, hin zu einem häretischen und von Menschen konstruierten, nämlich dem Masoretentext, führte. Es ist nicht immer das Neueste das Beste und schon gar nicht der menschliche Fortschritt ein Maßstab für das Wort Gottes, das sich nie ändert und schon gar nicht dem Zeitgeist anpasst.
Es ergibt sich tatsächlich ein ähnliches Bild bei der modernen Entwicklung der Grundtexte der Bibel im AT und NT. In beiden Fällen wurden in jüngerer Zeit die altbewährten, von Gott inspirierten und gottesfürchtigen Menschen überlieferten Grundtexte durch neue, von ungläubigen oder gar antichristlich gesinnten Menschen künstlich konstruierte Texte ersetzt, wobei in beiden Fällen die alten Grundtexte wesentlich inhaltsreicher und gottesfürchtiger waren. Man verlor also nicht nur eine ordentliche Portion Gottesfurcht, sondern auch Inhalt mit dem Umstieg auf die neuen Grundtexte der Bibel. Dass sich so ein Umstieg nicht auf die Lehre auswirkt, glauben nur Narren.
Ein ausführlicher, tiefgehender Vergleich der Grundtexte ist sowohl im Neuen wie auch Alten Testament äußerst aufschlussreich, und den werden wir an einer anderen Stelle vornehmen. Hier nur ein paar technische Details und Beispiele im Vergleich Textus Receptus zu Nestle-Aland. Um das vorab zu illustrieren, ein kurzer Ausschnitt aus der hervorragenden, 51-seitigen Arbeit zu diesem Thema von Rudolf Ebertshäuser, der auch an der Schlachter 2000 mitarbeitete, die als eine der ganz wenigen modernen Bibelübersetzungen den Textus Receptus verwendet:
Immerhin sind mindestens 17 ganze Verse, die im Textus Receptus bezeugt sind, in modernen Grundtextausgaben und den meisten ihnen folgenden Bibeln weggelassen, an 185 Stellen wurden wichtigere Versteile gestrichen; in 212 Fällen wurden Namen und Titel Gottes und des Herrn Jesus Christus wie „Herr“, „Jesus“, „Christus“ oder „Gott“ gestrichen. Dazu kommen mehr als 280 Textveränderungen, die auf den Inhalt der biblischen Aussage Einfluß haben. Über 2.000 Unterschiede zwischen dem NA-Text und dem TR haben einen Einfluß auf die Übersetzung.
Laut E. Fowler (Evaluating Versions of the New Testament) wurden 3.602 Wörter aus dem TR bei NA (genauer: Nestle 23. Aufl.) weggelassen, 3.146 verändert, 976 hinzugefügt. Insgesamt ist der NA-Text um 2.886 Wörter kürzer als der TR. Das würde einer Bibel entsprechen, bei der der 1. und der 2. Petrusbief fehlt. (Zahlenangaben nach D. A. Waite, Defending the King James Bible, Bible for Today, Collingswood, N.J. 2. Aufl. 1996, S. 41-42). Solche Veränderungen sind bestimmt nicht als „unwichtig“ oder „untergeordnet“ zu bezeichnen. Die Frage ist berechtigt: Woher kommen sie?
Ebertshäuser führt dann eine Liste der 300 wichtigsten Veränderungen (Download PDF am Ende des Beitrages) im Text des Neuen Testaments im Vergleich zwischen Textus Receptus und Nestle-Aland an, die wir hier nicht in der vollen Länge wiedergeben, sondern nur einige durchaus brisante. Wiederholt drängt sich beim Lesen die eben erwähnte Frage „Woher kommen sie?“ auf. Eine Antwort darauf liefert nur eine geistliche Beurteilung.
Ganze Sätze, die vom Textus Receptus überliefert, aber von Nestle-Aland weggelassen werden:
| Bibelstelle | Textus Receptus | Nestle-Aland | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Mt 6,13 | Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen. | weggelassen | Das Vaterunser wird verstümmelt |
| Mt 12,47 | Da sprach einer zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir reden! | weggelassen | |
| Mt 17,21 | Aber diese Art fährt nicht aus außer durch Gebet und Fasten. | weggelassen | Wer profitiert davon, dass man nicht erfährt, wie der Dämon ausgetrieben werden kann? |
| Mt 18,11 | Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, um das Verlorene zu retten. | weggelassen | |
| Mt 19,9 | und wer eine Geschiedene heiratet, der bricht die Ehe. | weggelassen | Eine Todsünde wird verschwiegen und viele begehen sie seither mit gutem Gewissen. Sogar mit dem Segen ihrer Prediger, Ältesten und Pastoren. |
| Mt 20,16 | Denn viele sind berufen, aber wenige auserwählt. | weggelassen | |
| Mt 20,22-23 | und getauft werden mit der Taufe, womit ich getauft werde | zweimal weggelassen | Von der Bluttaufe wissen heute nur noch wenige Christen. Wem nützt es, die frühchristliche Lehre darüber durch die Streichung dieses Satzes aus den Gemeinden zu entfernen? |
| Mt 21,44 | Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschmettert werden; auf wen er aber fällt, den wird er zermalmen. | weggelassen | |
| Mt 23,14 | Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler, daß ihr die Häuser der Witwen freßt und zum Schein lange betet. Darum werdet ihr ein schwereres Gericht empfangen! | weggelassen | Gerichtsworte werden oft weggelassen heute |
| Mt 27,35 | damit erfüllt würde, was durch den Propheten gesagt ist: »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt, und das Los über mein Gewand geworfen«. | weggelassen | Wer lässt die Erfüllung eines messianischen Prophetenwortes weg? Wem dient das? |
| Mk 6,11 | Wahrlich, ich sage euch: Es wird Sodom und Gomorra erträglicher gehen am Tag des Gerichts als jener Stadt! | weggelassen | wieder ein hartes Gerichtswort, das fehlt |
| Mk 9, 44 | wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt. | ganzer Vers weggelassen | ein klares Gerichtswort über die Hölle, das fehlt - und das aber von den frühen Christen oft zitiert wurde. |
| Mk 9, 45-46 | ...in das unauslöschliche Feuer, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt. | Das Versende von 45 und der ganze Vers 46 werden weggelassen | und gleich nochmal die brennende, ewige Hölle weggelassen |
| Mk 11,26 | Wenn ihr aber nicht vergebt, so wird auch euer Vater im Himmel eure Verfehlungen nicht vergeben. | ganzer Vers weggelassen | Eine Möglichkeit, das Heil zu verlieren, wird weggelassen - und damit die Paralellstelle zu Mt 6,15 und ein Bezug zu den Apokryphen. Vgl.: Vergeben um Vergebung zu erlangen |
| Mk 15,28 | Da wurde die Schrift erfüllt, die spricht: »Und er ist unter die Gesetzlosen gerechnet worden« | Der ganze Vers wird weggelassen | Erneut das Zeugnis der Erfüllung einer messianischen Prophezeiung entfernt! Wem dient es, diese Schriftzeugen zu entfernen? |
| Mk 16, 9-20 |
Als er aber früh am ersten Tag der Woche auferstanden war, erschien er zuerst der Maria Magdalena, von der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte. Diese ging hin und verkündete es denen, die mit ihm gewesen waren, die trauerten und weinten. Und als diese hörten, dass er lebe und von ihr gesehen worden sei, glaubten sie es nicht. Danach offenbarte er sich zwei von ihnen auf dem Weg in einer anderen Gestalt, als sie sich aufs Land begaben. Und diese gingen hin und verkündeten es den Übrigen; aber auch ihnen glaubten sie nicht. Danach offenbarte er sich den Elfen selbst, als sie zu Tisch saßen, und tadelte ihren Unglauben und die Härte ihres Herzens, dass sie denen, die ihn auferstanden gesehen hatten, nicht geglaubt hatten. |
Die 12 letzten Verse des Markusevangeliums werden als „mit Sicherheit (!!) nicht ursprünglich“ bezeichnet (doppelte Klammern) | Was hätten wohl Markus und sein Lehrer Petrus dazu gesagt, dass der Schluss ihres Evangeliums weggelassen wird? Jesu Auferstehung und Himmelfahrt wird komplett weggelassen, genauso wie wichtige Aussagen über Taufe und Errettung, die Apostel, und dass Christus zur Rechten Gottes sitzt. |
| Lk 9,55-56 | und sprach: Wißt ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid? Denn der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um die Seelen der Menschen zu verderben, sondern zu erretten! | weggelassen | Wem dient es, diese überführende Frage Christi zu entfernen? |
| Lk 11,2 | Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auch auf Erden. | weggelassen | erneut das Vaterunser verstümmelt |
| Lk 17,36 | Zwei werden auf dem Feld sein; der eine wird genommen und der andere zurückgelassen werden. | Der ganze Vers wird weggelassen | |
| Lk 22,43-44 | Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. Und er war in ringendem Kampf und betete inbrünstiger; sein Schweiß wurde aber wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen. | komplett weggelassen oder als „mit Sicherheit (!!) nicht ursprünglich“ bezeichnet (doppelte Klammern) | |
| Lk 24,6 | Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden! | Satz wird als unecht bezeichnet | |
| Lk 24,12 | Petrus aber stand auf und lief zum Grab, bückte sich und sah nur die leinenen Tücher daliegen; und er ging nach Hause, voll Staunen über das, was geschehen war. | Der ganze Vers wird als unecht verworfen | |
| Lk 24,40 | Und indem er das sagte, zeigte er ihnen die Hände und die Füße. | Der ganze Vers wird als unecht verworfen | |
| Joh 5,3-4 | welche auf die Bewegung des Wassers warteten. Denn ein Engel stieg zu gewissen Zeiten in den Teich hinab und bewegte das Wasser. Wer nun nach der Bewegung des Wassers zuerst hineinstieg, der wurde gesund, mit welcher Krankheit er auch geplagt war. | weggelassen | Eine bedeutsame Stelle, die von frühen Christen wie Tertullian ausführlich zitiert und gelehrt wurde. Siehe nächster Abschnitt. |
| Joh 7,53-8,11 | Und so ging jeder in sein Haus. Jesus aber ging an den Ölberg. Und früh am Morgen kam er wieder in den Tempel, und alles Volk kam zu ihm; und er setzte sich und lehrte sie. Da brachten die Schriftgelehrten und Pharisäer eine Frau zu ihm, die beim Ehebruch ergriffen worden war, stellten sie in die Mitte und sprachen zu ihm: Meister, diese Frau ist während der Tat beim Ehebruch ergriffen worden. Im Gesetz aber hat uns Mose geboten, dass solche gesteinigt werden sollen. Was sagst nun du? Das sagten sie aber, um ihn zu versuchen, damit sie ihn anklagen könnten. Jesus aber bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie nun fortfuhren, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie! Und er bückte sich wiederum nieder und schrieb auf die Erde. Als sie aber das hörten, gingen sie — von ihrem Gewissen überführt — einer nach dem anderen hinaus, angefangen von den Ältesten bis zu den Geringsten; und Jesus wurde allein gelassen, und die Frau, die in der Mitte stand. Da richtete sich Jesus auf, und da er niemand sah als die Frau, sprach er zu ihr: Frau, wo sind jene, deine Ankläger? Hat dich niemand verurteilt? Sie sprach: Niemand, Herr! Jesus sprach zu ihr: So verurteile ich dich auch nicht. Geh hin und sündige nicht mehr! |
Die 12 Verse werden als „mit Sicherheit (!!) nicht ursprünglich“ bezeichnet (doppelte Klammern) | Erneut werden ganze 12 Verse, diesmal aus dem Johannesevangelium, gestrichen |
| Apg 8,37 | Da sprach Philippus: Wenn du von ganzem Herzen glaubst, so ist es erlaubt! Er antwortete und sprach: Ich glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist! | Der ganze Vers wird weggelassen | Ein starkes Argument gegen die Kindertaufe wird entfernt |
| Apg 9,5-6 | Es wird dir schwer werden, gegen den Stachel auszuschlagen! Da sprach er mit Zittern und Schrecken: Herr, was willst du, dass ich tun soll? Und der Herr antwortete ihm: | weggelassen | |
| Apg 15,18 | Gott sind alle seine Werke von Ewigkeit her bekannt. | weggelassen | |
| Apg 18,21 | Ich muss unter allen Umständen das bevorstehende Fest in Jerusalem feiern | weggelassen | |
| Apg 24,6-8 | und wollten ihn nach unserem Gesetz richten. Aber Lysias, der Befehlshaber, kam dazu und entriss ihn mit großer Gewalt unseren Händen; und er befahl, dass seine Ankläger zu dir kommen sollten. | weggelassen, darunter der ganze Vers 7 | |
| Apg 28,29 | Und als er das gesagt hatte, gingen die Juden weg und hatten viel Wortwechsel miteinander. | Der ganze Vers wird weggelassen | |
| Röm 11,6 | wenn aber um der Werke willen, so ist es nicht mehr Gnade, sonst ist das Werk nicht mehr Werk. | weggelassen | |
| Röm 16,24 | Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen! Amen. | Der ganze Vers wird weggelassen | |
| Röm 16,25-27 | Dem aber, der euch zu festigen vermag laut meinem Evangelium und der Verkündigung von Jesus Christus, gemäß der Offenbarung des Geheimnisses, das von ewigen Zeiten her verschwiegen war, das jetzt aber offenbar gemacht worden ist und durch prophetische Schriften auf Befehl des ewigen Gottes bei allen Heiden bekannt gemacht worden ist zum Glaubensgehorsam — ihm, dem allein weisen Gott, sei die Ehre durch Jesus Christus in Ewigkeit! Amen. | die drei Verse werden als möglicherweise unecht in Klammern gesetzt | Damit ist auch der Schluss des Römerbriefes NA zum Opfer gefallen |
| 1.Petr 4,14 | bei ihnen ist er verlästert, bei euch aber verherrlicht. | weggelassen | |
| 1.Joh 5,7-8 | im Himmel: der Vater, das Wort und der Heilige Geist, und diese drei sind eins; und drei sind es, die Zeugnis ablegen | weggelassen | Ein Zeugnis der Dreieinigkeit wird weggelassen |
| Offb 1,11 | Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte! | weggelassen | Nicht einmal vor dem Buch der Offenbarung machten die Herren Nestle und Aland halt, sondern ließen an über 22 Stellen einzelne Wörter bis hin zu ganzen Sätzen weg. Das Urteil aus dem Mund von Jesus Christus ist dazu eindeutig und sollte jedem gläubigen Bibelleser zu denken geben: „und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buches dieser Weissagung, so wird Gott wegnehmen seinen Teil vom Buch des Lebens und von der heiligen Stadt, und von den Dingen, die in diesem Buch geschrieben stehen.“ Doch sogar von diesem Satz haben sie ein Wort verändert .... |
Während dem aufmerksamen Betrachten der vorherigen Tabelle fragt sich womöglich der eine oder andere Leser:
Ist der Textus Receptus wirklich überliefert oder hinzugedichtet?
Die Macher von Nestle-Aland (NA) behaupten ja, dass ihr Text der ursprüngliche sei und alle nicht darin enthaltenen Wörter und Sätze später hinzugedichtet wurden. So schreiben das auch alle Bibeln, die NA vertrauen, in ihre Fußnoten und Anmerkungen. So kann man die Sache natürlich auch drehen und so tun, als wäre der kurze Text das Original und alle anderen hätten den Text durch Hinzufügen verlängert. Was ist aber nun die Wahrheit?
Die Wahrheit liegt wie so oft in der historischen Geschichte und der richtigen Überlieferung verborgen. Immerhin ist der Textus Receptus ja nach seiner Benennung der überlieferte Text. Demnach muss er sich bei den frühen Christen finden. Findet man also die Passagen des Textus Receptus, die bei Nestle-Aland fehlen, bei den Schriften der frühen Christen, wäre bewiesen, dass der TR tatsächlich der richtige überlieferte Text ist und NA hingegen nur auf einen viel späteren (also jüngeren), verfälschten und verkürzten Text baut. Letzteres ist ja der Vorwurf der Verfechter des TR in Richtung NA. Sehen wir uns also ein paar der fehlenden Verse (siehe vorherige Tabelle) an, ob sie von den frühen Christen zitiert wurden.
Joh 5,3-4:
Die Schlachter 2000 hat die beiden Verse so:
In diesen lag eine große Menge von Kranken, Blinden, Lahmen und Abgezehrten, welche auf die Bewegung des Wassers warteten. Denn ein Engel stieg zu gewissen Zeiten in den Teich hinab und bewegte das Wasser. Wer nun nach der Bewegung des Wassers zuerst hineinstieg, der wurde gesund, mit welcher Krankheit er auch geplagt war.
Fett markiert habe ich den Teil, der bei Nestle-Aland komplett fehlt - und daher auch in den meisten Bibeln heute. Es ist aber ein bedeutsamer Text, den die frühen Christen kannten und lehrten. Zum Beispiel Tertullian:
Wenn es neu erscheint, dass ein Engel in die Wasser hinabsteigt: ein Vorbild des Zukünftigen ist vorausgeeilt. Der Engel, der in den Teich von Bethesda hinabstieg, versetzte ihn in Bewegung. Diejenigen beobachteten ihn, die um Gesundheit klagten. Denn wer zuerst hinabstieg, hörte nach dem Bad auf zu klagen. Dieses Vorbild einer körperlichen Heilung verkündete eine geistliche Heilung, der Form nach, wie immer das Fleischliche im Vorbild des Geistlichen vorangeht.
Indem sich also die Gnade Gottes in allem fortschreitend entfaltet, ist den Wassern und dem Engel mehr hinzugekommen: Jene, die früher die Gebrechen des Leibes heilten, heilen jetzt den Geist; jene, die zeitliche Rettung bewirkten, stellen jetzt ewige wieder her; jene, die einst nur einen einzigen im Jahr befreiten, bewahren jetzt täglich ganze Völker – nachdem der Tod durch die Abwaschung der Gesetzesübertretungen getilgt ist. Denn wenn die Schuld hinweggenommen ist, wird selbstverständlich auch die Strafe hinweggenommen.
Tertullian, De baptismo - Über die Taufe (DLDA) 5,5-6.
Wir sehen hier eindeutig, dass Tertullian nicht nur den Text kannte, den die Herren Nestle und Aland leugneten, sondern ihn sogar ausführlich darlegt, um ihn als Beweis der richtigen apostolischen Tauflehre heranzuziehen. Tertullian legt diese Sätze nicht nur aus, sondern schreibt damit einen wesentlichen Teil seines Kapitels, nämlich zwei von 7 Versen, die in den Sinnzusammenhang unbedingt hinein gehören. Darüber hinaus überliefert uns Tertullian ein Detail, das der Evangelist Johannes gar nicht schriftlich festhielt. Stattdessen wurde es offensichtlich mündlich bis zu Tertullian überliefert: Dass nämlich der Engel nur einmal im Jahr das Wasser vom Teich Bethesda bewegte. Das ist keine Randbemerkung Tertullians, sondern ein schlagender Teil seines Arguments, das sinnlos wäre ohne die vollständigen Sätze aus Joh 5,3+4, wie sie uns der Textus Receptus überliefert. Wir haben den gegenständlichen Abschnitt von Tertullian übrigens ausführlich erklärt und kommentiert in unserer Übersetzung seines Buches ÜBER DIE TAUFE (DLDA) auf den Seiten 26-29.
Es ist also nicht wahr, dass jemand die Sätze, die bei Nestle-Aland fehlen, im Nachhinein in Tertullians Buch Über die Taufe hinzugedichtet hätte, um rückwirkend den Textus Receptus zu decken. Vielmehr ist es historisch eindeutig, dass Tertullian und die alten Gemeinden, auf die er sich in seinem Buch bezieht, den vollständigen Text des Johannesevangelium kannten und lehrten. Aber bei den Textzeugen von Nestle-Aland, die aus Jahrhunderten nach Tertullian stammen, fehlt er. Somit ist klar erwiesen, dass der Grundtext des Textus Receptus deutlich älter und vollständiger ist als jener von Nestle-Aland.
Tertullian schrieb das Buch am Ende des 2. Jahrhunderts. Die ältesten Handschriften, auf die sich die Nestle-Aland-Fraktion stützt, sind aus dem 4. Jahrhundert. Wessen Textzeugen sind also in Wahrheit die älteren? Welche die früheren, welche die späteren?
Die Prämisse der Wissenschaft des 19. Jahrhunderts, dass nämlich die kürzeren Texte die älteren und originalen sind, ist somit als falsch erwiesen und nicht haltbar. Sie basiert nicht auf Fakten. Die Faktenlage ist genau umgekehrt: Es gingen mit den Jahrhunderten immer mehr Texte verloren. Wir sind heute ärmer an Textmaterial als die Apostel und ihre Schüler, die frühen Christen. Das ist die traurige Wahrheit, die jeder aufmerksame Leser des Neuen Testaments (egal in welcher Ausgabe und nach welchem Grundtext) selbst sehr leicht herausfinden kann: Das Neue Testament enthält einige Zitate von Propheten und antiken Schriften, die wir heute weder haben noch kennen. Sie waren im ersten Jahrhundert den Aposteln noch geläufig, aber Kirchenväter im 4. Jahrhundert gaben bereits kleinlaut zu, dass sie die Schriften nicht mehr hatten und die Zitate nur aus dem Neuen Testament kannten. Etwa Chrysostomus, der Bischof von Konstantinopel:
„Auf dass erfüllt werde“, sagt er, „was der Prophet gesprochen: er werde Nazarener genannt werden“ Und welcher Prophet hat denn dies gesagt? Nun, sei nicht vorwitzig und wolle nicht zuviel wissen. Es sind ja viele prophetische Bücher verloren gegangen, wie man aus der Geschichte der Paralipomena ersehen kann. Die Juden waren eben nachlässig und fielen immer wieder ab von Gott; so ließen sie einige Bücher verloren gehen, andere haben sie selbst verbrannt und zerstört. Den einen Fall berichtet uns Jeremias, den anderen der Verfasser des vierten Buches der Könige, der erzählt, man habe nach langer Zeit nur mit Mühe das Deuteronomium finden können, das irgendwo begraben und versteckt gewesen sei. Wenn sie aber schon zur Zeit, da keine Feinde im Lande waren, die hl. Bücher so geringschätzig behandelten, dann um so mehr, als die Barbaren das Land erobert hatten.
Johannes Chrysostomus (344-407), In Matthaeum homiliae I-XC Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus (BKV), Neunte Homilie. Kap II, V.16-22., 4.
Es geht um das Zitat aus Mt 2,23. Chrysostomos war im 4. Jahrhundert wenigstens noch so demütig, dass er zugab, er wüsste nicht, welcher Prophet das gesagt hatte. Immerhin wuchs Chrysostomos in einer Gemeinde auf, die von den Aposteln gegründet und unterwiesen wurde und sprach und las die Schriften in der Muttersprache der Apostel! Und er hat nicht nur eine kluge, historisch fundierte Erklärung für uns, woran der Schriftverlust u.a. lag, sondern ermahnt uns auch, nicht selbst so vorwitzig zu sein und zu behaupten, wir wüssten es heute besser. Die Bezeichnung „des vierten Buches der Könige“ verrät uns übrigens, dass Chrysostomos die Septuaginta verwendete. Denn dort gibt es vier Bücher der Könige (oder Königtümer). Später wurden die ersten beiden Bücher der Könige umbenannt in ersten und zweiten Samuel. Und so haben wir heute in jenen Bibeln, die im Alten Testament der späteren Tradition folgen, zwei Bücher Samuel und zwei Bücher Könige anstatt vier Bücher der Königtümer.
Heute ist die Verwirrung also noch schlimmer. Das betrifft nicht nur die richtigen, ursprünglichen Namen der Bücher, sondern auch deren Umfang und die Quellen, aus denen sie zitieren. Und sogar die meisten Bücher, die die frühen Christen schrieben, sind heute verloren. Das ist ein trauriges Thema, das sich einen eigenen Beitrag - oder gar eine Beitragsserie verdient hätte und hier den Rahmen sprengt. Kurz gesagt: Die Behauptung von Nestle-Aland und ihren späteren wissenschaftlichen Verteidigern, dass der kürzere Text automatisch der ältere und originale und daher zuverlässigere sei, ist historisch nicht nachvollziehbar und entbehrt jeder Faktenlage.
Der Textus Receptus hat nichts hinzugedichtet, sondern Nestle-Aland stützt sich auf Kopisten, die einiges weggelassen haben. Das mag auch der Grund sein, warum Nestle und Aland viele Handschriften in Mülleimern fanden. Sie waren offenbar schon zu ihrer Zeit als Müll ausgesondert worden. Das ist nachvollziehbar. Beim händischen Abschreiben passieren schon mal Flüchtigkeits- und Schlampigkeitsfehler. Es ist auch eher so, dass beim Abschreiben Sätze verloren gehen als dass neue hinzukommen würden. Der Mensch ist faul. Der Mensch ist flüchtig. Der Mensch will sich Arbeit ersparen und kürzt und fasst zusammen. Das machen heute sogar die KI-Modelle. Fragt man sie nach einem frühchristlichen Zitat, paraphrasieren sie im Normalfall und fassen die Aussage zusammen. Sie kürzen Sätze und ganze Absätze. Genauso machten es immer schon schlechte, billige Kopisten. Und wenn aber ein gewissenhafter, wachsamer Schriftgelehrter solch eine gekürzte, falsch abgeschriebene Schriftrolle fand, so hat er sie auf den Müll geworfen. Überhaupt wenn es sich um eine heilige Schrift handelte, wo jedes Wort bewahrt werden muss!
Ist es nicht eine Ironie der Geschichte, dass genau jene damals verworfenen Manuskripte heute von der Wissenschaft als die zuverlässigeren und echteren bewertet werden? Wissen wir es heute besser als damals die Zeitzeugen, die das Original mit der Kopie verglichen und die schlechten Kopien wegwarfen? Glauben wir blind jenen, die behaupten, sie hätten die ältesten Texte, nur weil sie sich Wissenschaftler nennen und aber am Ende vielleicht nur das Alter des Papyrus bestimmten anstatt das Alter des Textes? Nein, wir machen das jedenfalls nicht. Wir prüfen selbst und nach den Kriterien Gottes. Und so bemerken wir eine Reihe von Zeugen, die Jahrhunderte älter sind und aber den Textus Receptus bezeugen. Hier noch zwei weitere Beispiele:
Apg 8,37:
Herbert Jantzen übersetzte die Verse 36 bis 38 so:
Als sie dem Wege nach dahinzogen, kamen sie an ein Wasser. Und der Eunuch erklärt: „Siehe, Wasser! Was hindert mich, getauft zu werden?“ Philippus sagte: „Wenn du von ganzem Herzen glaubst, ist es gestattet.“ Er antwortete und sagte: „Ich glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist.“ Und er befahl, den Wagen anzuhalten. Und sie stiegen beide ab in das Wasser, Philippus und auch der Eunuch. Und er taufte ihn.
Fett gedruckt ist der Vers 37, der bei NA komplett fehlt. Und somit fehlt er auch in allen Bibeln, die NA vertrauen. Das kann man meist schön erkennen, wenn man auf die Verszählung achtet. Denn die Bibeln gehen wortlos von Vers 36 zu 38 über. Sie lassen 37 einfach aus.
Irenäus, 2. Jh., kennt den Vers 37 aber, denn er schreibt:
..., wie der Eunuch selber glaubte und die Taufe begehrte mit den Worten: „Ich glaube, daß Jesus der Sohn Gottes ist?“
Irenäus, Gegen die Häresien (BKV), Drittes Buch, 12. Kapitel: Die Predigten der Apostel, 8.
Damit wäre eigentlich schon bewiesen, dass der TR richtig überliefert wurde und die Behauptung von NA, dass dieser Vers nicht im Originaltext war sondern erst später hinzugedichtet wäre, eine Lüge ist. Denn Irenäus überliefert uns den Wortlaut im 2. Jahrhundert. NA beruft sich aber auf Textzeugen aus dem 4., 5. und 6. Jahrhundert. Wer hat also die früheren, ursprünglicheren Textzeugen?
Aber auch Cyprian von Karthago, 3. Jh., kennt diesen Vers:
Allerdings ist in der Apostelgeschichte von jenem Eunuchen die Rede, der alsbald von Philippus die Taufe erhielt, weil er von ganzem Herzen gläubig geworden war.
Cyprian von Karthago, Leben des Cäcilius Cyprianus von Diakon Pontius, 3.
Und ein weiteres Mal in einem anderen Buch von Cyprian, das uns leider nicht auf Deutsch vorliegt:
That he who believes can immediately obtain (i.e., pardon and peace). In the Acts of the Apostles: “Lo, here is water; what is there which hinders me from being baptized? Then said Philip, If thou believest with all thine heart, thou mayest.”
Cyprian Three Books of Testimonies Against the Jews. book III, Testimony XLIII, 43
Auf Deutsch:
Dass der, der glaubt, sofort Vergebung und Frieden erlangen kann. In der Apostelgeschichte heißt es: „Siehe, hier ist Wasser; was hindert mich daran, mich taufen zu lassen? Da sprach Philippus: Wenn du von ganzem Herzen glaubst, darfst du es.“
NA ist also nachweislich falsch, der TR hingegen gut überliefert.
1. Joh 5,7
Die SCH2000 übersetzt ihn so:
Denn drei sind es, die Zeugnis ablegen im Himmel: der Vater, das Wort und der Heilige Geist, und diese drei sind eins
Der fett markierte Großteil dieses Verses fehlt bei Nestle-Aland und löste einen bis heute anhaltenden Expertenstreit aus und bekam sogar einen Namen: „Komma Johanneum“. Der Textus Receptus hat die drei Himmelszeugen aber und er ist der einzige Bibelvers, der die Dreieinigkeit unbestreitbar (weil wörtlich) bezeugt. Er ist daher ein großes Ärgernis für alle Anti-Trinitarier. Und die gibt es seit dem ersten Jahrhundert. Allen voran jene Juden, die die Göttlichkeit des Christus als Gotteslästerung verurteilten und Jesus daher kreuzigen ließen. Auch das würde einen eigenen Beitrag verdienen. Hier geht es aber nur um den überlieferten Text. Der nachfolgende Vers 8 enthält auch drei Zeugen, es ist aber nicht die Dreieinigkeit aus Vater, Sohn und Geist, sondern von Geist, Wasser und Blut:
und drei sind es, die Zeugnis ablegen auf der Erde: der Geist und das Wasser und das Blut, und die drei stimmen überein. (V8)
Bevor wir wieder untersuchen ob die frühen Christen diese heute umstrittenen drei himmlischen Zeugen überlieferten, sei noch auf ein wichtiges Detail hingewiesen: Die sich scheinbar wiederholende Formulierung „diese drei sind eins“ in Vers 7 und 8 ist im Grundtext aber nicht exakt gleich, sondern verschieden! Daran erkennt man erstens, welche Übersetzer genau arbeiten und zweitens, welcher Vers in Wahrheit zitiert wurde von den frühen Christen.
Die besagte Formel sieht im Griechischen Grundtext so aus:
Vers 7: και οι τρεις εις εν εισι
Vers 8: και οι τρεις εις το εν εισιν
Man muss nicht Griechisch verstehen um zu erkennen, dass der Satzteil in Vers 8 zwar auf den ersten Blick ähnlich wie in Vers 7 aussieht, aber eindeutig länger ist. Die SCH2000 übersetzt das so:
Vers 7: und diese drei sind eins
Vers 8: und die drei stimmen überein
KJV, Geneva, Bishops, Webster übersetzen das so:
Vers 7: and these three are one
Vers 8: and these three agree in one
Martin Luther übersetzte die beiden Formulierungen so:
Vers 7: und diese drei sind eins
Vers 8: und die drei sind beisammen
Es ist also klar auf Griechisch, Deutsch und Englisch zu erkennen, dass es ähnliche aber doch verschiedene Formulierungen sind. Welche haben nun Nestle-Aland und seine Anhänger und welche überlieferten die frühen Christen?
Bei Nestle-Aland fehlt wie gesagt der Teil in Vers 7 und sie schreiben exakt den richtigen Wortlaut von Vers 8:
καὶ οἱ τρεῖς εἰς τὸ ἕν εἰσιν
Bibeln, die Nestle-Aland folgen, übersetzen die Passage in Vers 8 so:
und die drei sind einstimmig (ELB)
und diese drei sind auf das Gleiche ausgerichtet. (ZÜ)
Die Aussagen dieser drei Zeugen stimmen überein. (GN)
Während es im Vers 7 also um eine echte Dreieinigkeit geht, wo die drei eins sind, geht es in Vers 8 darum, dass drei übereinstimmen oder auf das Gleiche ausgerichtet sind. Das sind zwei völlig verschiedene Aussagen. Die kann man also gut unterscheiden und somit sofort dem richtigen Vers zuordnen.
Cyprian von Karthago schreibt:
The Lord says, “I and the Father are one;” and again it is written of the Father, and of the Son, and of the Holy Spirit, “And these three are one.”
The Treatises of Cyprian, Treatise I. On the Unity of the Church, Kap 6
Auf Deutsch:
Der Herr sagt. „Ich und der Vater sind eins“ Und wiederum, steht über den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist geschrieben: „Und diese drei sind eins.“
Hier zitiert Cyprian eindeutig den Satz aus Vers 7, denn er schreibt „es steht ... geschrieben“ und trifft exakt die Formulierung „und diese drei sind eins“. Darauf weist auch der englische Übersetzer in seiner Erläuterung hin:
Scrivener says candidly, “It is hard to believe that 1 John v. 7 was not cited by Cyprian;” and again, “The African writers Vigilius of Thapsus (at the end of the fifth century) and Fulgentius (circa 520) in two places expressly appeal to the three heavenly Witnesses.” So, too, Victor Vitensis, in the notable case of the African king of the Vandals. The admission of Tischendorf is also cited by Scrivener. Tischendorf says, “Gravissimus est Cyprianus (in Tract. de Eccles. Unitate), Dicit Dominus, Ego et Pater unum sumus (Joann. x. 30); et, iterum, de Patre, Filio, et Spiritu Sancto, scriptum est, Et tres unum sunt.” Tischendorf adds the testimony of this epistle to Jubaianus. And Scrivener decides that “it is surely safer and more candid to admit that Cyprian read it in his copies, than to resort to,” etc., the usual explainings away. To this note of this same erudite scholar the reader may also turn for satisfaction as to the reasons against authenticity. But primarily, to meet questions as to versions used by Cyprian, let him consult the same invaluable work (p. 269) on the Old Latin before Jerome. I have added an important consideration in a note to the Anonymous Treatise on Baptism, which follows (infra), with other documents, in our Appendix.
Auf Deutsch:
Scrivener sagt freimütig: „Es ist schwer zu glauben, dass 1. Johannes 5,7 nicht von Cyprian zitiert wurde“, und weiter: „Die afrikanischen Schriftsteller Vigilius von Thapsus (am Ende des fünften Jahrhunderts) und Fulgentius (um 520) berufen sich an zwei Stellen ausdrücklich auf die drei himmlischen Zeugen.“ So auch Victor Vitensis in dem bemerkenswerten Fall des afrikanischen Königs der Vandalen. Das Eingeständnis von Tischendorf wird auch von Scrivener zitiert. Tischendorf sagt: „Der heilige Cyprian (in der Abhandlung über die Einheit der Kirche) sagt sehr treffend: Der Herr spricht: Ich und der Vater sind eins (Joh 10,30); und wiederum ist vom Vater, vom Sohn und vom Heiligen Geist geschrieben: Und die drei sind eins.“ Tischendorf fügt das Zeugnis dieses Briefes an Jubaianus hinzu. Und Scrivener entscheidet: „Es ist sicherlich sicherer und ehrlicher zuzugeben, dass Cyprian es in seinen Abschriften gelesen hat, als auf die üblichen Versuche zurückzugreifen, es wegzuerklären.“ etc. Auf diese Notiz desselben gelehrten Wissenschaftlers kann sich der Leser auch berufen, um sich über die Gründe zu informieren, die gegen die Echtheit sprechen. Vor allem aber sollte er zur Klärung der Frage nach den von Cyprian benutzten Versionen dasselbe unschätzbare Werk (S. 269) über das alte Latein vor Hieronymus zu Rate ziehen. Ich habe eine wichtige Überlegung in einer Anmerkung zu dem anonymen Traktat über die Taufe hinzugefügt, das zusammen mit anderen Dokumenten in unserem Anhang folgt.
Dieser erwähnte Anhang weist genau auf das hin, was ich bereits weiter oben tat: Cyprian zitiert die Formulierung aus Vers 7, nicht aber aus Vers 8. Daher ist bewiesen, dass er Vers 7 kannte und zitierte und dass dieser Vers also schon im 3. Jahrhundert bekannt war. Und es ist bekannt, dass es gewisse Versuche gibt, das historisch offensichtlich Richtige wegzuerklären. Das zerreißt eigentlich schon alle Behauptungen von NA und deren Geistesbrüdern. Aber es gibt noch einen Textzeugen aus dem 3. Jahrhundert:
Moreover, I think also that we have not unsuitably set in order the teaching of the Apostle John, who says that “three bear witness, the Spirit, and the water, and the blood; and these three are one.”
3. Jh, A Treatise on Re-Baptism by an Anonymous Writer., Kap 19
Auf Deutsch:
Darüber hinaus denke ich auch, dass wir die Lehre des Apostels Johannes nicht unpassend eingeordnet haben, der sagt, dass „drei Zeugnis geben, der Geist, das Wasser und das Blut, und diese drei sind eins”.
Der Autor dieser Zeilen ist anonym, aber dessen Herkunft wird von den seriösen Historikern auf das 3. Jahrhundert zur Zeit Cyprians datiert. Er ist höchstwahrscheinlich sogar ein Antwortbrief auf einen der Briefe Cyprians. Er erwähnt hier zwar nicht die drei himmlischen Zeugen aus Vers 7 sondern die drei Zeugen aus Vers 8, aber mit der wortwörtlichen Dreieinigkeitsformulierung aus Vers 7! Und das ist schon bemerkenswert. Diese Formel war also bekannt. Sie ist uns schriftlich aber nur in 1. Johannes 5 Vers 7 überliefert und einzig und allein nur im Textus Receptus!
Auf das Zeugnis von zwei oder drei Zeugen ist eine Sache bestätigt, so lautet das göttliche Prinzip. Und diese drei haben wir hier, ein bis zwei Jahrhunderte vor dem ältesten Textzeugen der NA-Fraktion.
Während dem aufmerksamen Lesen des ganzen Beitrages fragt sich womöglich der eine oder andere Leser:
Welche Übersetzungen folgen dem Textus Receptus?
Darauf kann man zwei Antworten geben.
Erstens: Jede Bibel folgt an manchen Stellen dem TR, denn es erscheinen auch den modernsten Übersetzungen manche Lücken bei NA äußerst fragwürdig, etwa der fehlende Schluss vom Markusevangelium und dem Römerbrief. An den Stellen greifen dann doch wieder alle, die sich eigentlich dem textkritischen NA verschrieben haben, zum guten alten überlieferten Text. Im Schnitt gehen die meisten Übersetzungen einen Mischweg, wo sie etwa 90%-95% NA folgen und 5-10% dem TR. Das klingt nicht nur inkonsequent, sondern ist es auch.
Zweitens: Nur drei Bibeln im deutschsprachigen Raum folgen derzeit unsers Wissens nach dem TR zu 100% unter den Übersetzungen des 21. Jahrhunderts:
- Die Schlachter 2000
- Die Übersetzung von Herbert Jantzen
- Die Christianismos Bibel
Von den alten Übersetzungen existieren noch drei: Die Tafelbibel aus dem 19. Jahrhundert und zwei Lutherbibeln, die fast zu 100% dem TR vertrauen: die Lutherbibel 1534-45 (97%) und die Lutherbibel 1912 (95%).
Ferner sind ein paar Übersetzungsprojekte am Werk, die ebenfalls den Textus Receptus als Grundtext für das NT gewählt haben. Wann sie erhältlich sein werden, ist uns noch nicht bekannt. Zweckdienliche Hinweise sind uns jederzeit willkommen.
Die Bibel in deutscher Fassung vertraut grundsätzlich dem Textus Receptus, schaltet aber an einzelnen Stellen doch um auf den byzantinischen Text (Byz, Mehrheitstext). Die Übersetzung von Benjamin Fotteler folgt grundsätzlich dem Byz. Das sind also zwei Übersetzungen, die zwar erkannt haben, dass der NA falsch und nicht von Gott überliefert ist, aber auch dem TR nur dort trauen, wo er vom Mehrheitstext gestützt wird.
Im Englischen gibt es mehrere Bibeln, die den TR als Grundtext verwenden. Zum Beispiel die berühmte King James Version (KJV) und andere alte Übersetzungen aus der Reformation wie etwa Wycliffe, Matthew's, Geneva, Webster's oder Wesley, aber auch weniger bekannte wie die Young's Literal Translation (YTL), Green's Literal Translation oder die Apostolic Bible Polyglot (ABP).
Zur besseren Orientierung haben wir eine Übersicht über die wichtigsten Bibelübersetzungen (deutsch- und englischsprachige) erstellt.